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Polarlicht (Aurora Borealis) fotografieren

Posted in Erfahrungsberichte, Tutorials von wegus am 10. Apr. 2010

Da es beim Fotografieren von Polarlichtern doch einiges zu bedenken gibt und da das Thema in den nächsten Jahren ab 2010 wieder interessant wird, hier ein paar kurze Hinweise zu Aufnahmen von Polarlicht.

(1) Was ist überhaupt Polarlicht?

Es hilft zumindest ein bisschen zu wissen was man da eigentlich fotografiert. Im Grunde sind das Lichtblitze von Elektronen kollidierender Atome. Diese Kollisionen entstehen, weil die Sonne durch ihre Eruptionen ständig Teilchen in den Weltraum schleudert. Dieser Teilchenstrom treibt durchs All, er wird Sonnenwind genannt.

Trifft der Sonnenwind auf die Erde, so schützt uns die Magnetosphäre der Erde und lenkt diesen Sonnenwind zu den Polen hin ab. Dort wo die Schutzschicht am dünnsten ist, treffen die Teilchen dann auf die Atmosphäre und das Resultat kann man dann als Polarlicht, auch Nordlicht oder Aurora Borealis genannt, sehen.

Polarlicht sieht man also um so eher je näher man den Polen kommt. Die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn man den Polarkreis überquert deutlich an. Zu bestimmten Zeiten kann man Polarlicht auch in Deutschland ab und an erleben.

(2) Wann kann man Polarlichter sehen?

Das ist tatsächlich gar nicht so ganz einfach. Wie oben zu lesen war hängt das vom Sonnenwind ab und der ist nicht konstant. Er schwankt in einem 11-Jahres-Rhythmus. Nur zu den Zeiten starker Aktivität macht es auch wirklich Sinn Lichter fotografieren zu wollen. Ansonsten wird das schnell zu einer frustrierenden Angelegenheit. Das letzte Maximum hatten wir etwa 2000/2001, das nächste steht also 2011/2012 unmittelbar bevor, dann erst 2022/23 wieder u.s.w. .

In Zeiten dieser Maxima kann man auch in Deutschland mit etwa 10-20 Polarlicht Sichtungen im Jahr rechnen. Aber auch in den Jahren davor und danach gibt es kräftige Erscheinungen. Mit der Errechnung der Sichtungswahrscheinlichkeit beschäftigen sich zahlreiche Institute und so gibt es dazu auch einiges an Webseiten. Exemplarisch genannt sei hier :

http://www.meteoros.de/polar/polwarn.htm

Die Sichtungswahrscheinlichkeit wird dabei in einem Kp-Wert angegeben der zwischen 0 und 9 liegen kann ( 1 heißt dabei niedrige Aktivität!).

Möglichst weit nördlich muß man also sein, das Jahr muß passen und man muß gerade eine aktive Sonnenphase erwischen. Reicht das? Leider nein!

Es sollte nat. möglichst dunkel sein und es muß klarer Himmel sein ( also zumindest große Wolkenlücken). Somit muß man also wenn man extra in den Norden fahren will nicht nur das Jahr berücksichtigen, sondern in dem Jahr noch die Monate heraussuchen an denen möglichst wenig Regentage zu erwarten sind, das Wetter stabil ist und es lange genug dunkel

ist. Eine stabile Polarnacht ist also das Optimum, Mittsommer eher nicht geeignet.

Für Nordnorwegen etwa sind das die Zeiträume ab Anfang März bis Mitte April und im Herbst wieder der September bis Anfang Oktober. So waren die Kp-Werte dieses Jahr für Februar und März etwa gleich.  Trotzdem war es z.B.  dieses Jahr  im Februar bei den Touren ( Dauer 12 Tage, 6 davon nördlich des Polarkreises) so das Wenige Polarlicht sahen, wir im März bei ähnlich niedrigen Kp-Wert jedoch an 5 von 6 Abenden für bis zu 40 Minuten Polarlicht hatten. Wohlgemerkt, bei gleichem Kp-Wert!

Erst ab einem Kp-Wert von 5-6 geht man eigentlich erst von guten Sichtungshäufigkeiten aus.

(3) Und wie fotografiert man das dann?

Die erste ernüchternde Erkenntnis an Bord war: Am besten nicht von einem Schiff! Polarlichter sind recht schwach und werden bei Dunkelheit fotografiert, es handelt sich also um Langzeitbelichtungen. Da sich aber die wenigsten von uns wohl in der Polarnacht eine einsame Fischerhütte für ein paar Wochen mieten wollen: Es geht mit Abstrichen auch vom Schiff aus! Wichtig dabei ist Folgendes:

  • M wie Manuell da Langzeitbelichtungen erforderlich sind hilft hier nur der manuelle Modus.
  • Viel ISO hilft viel, logisch so weit aufreissen wie möglich. Bei einer D700 dürfen es ruhig ISO 6400 sein. Wer sich sorgen um das Rauschen macht, dem sei gesagt, dass das Schiff sich ja eh schwankend bewegt, also eine Langzeitbelichtung vom Stativ an Bord nicht wirklich besser wird.Daher auch er dringende Rat: Am besten 10-20Sekunden bei ISO200 vom Stativ an Land!
  • Lange Belichtungszeit. Bei den erwähnten 6400ISO kann eine Zeit von 1-2 Sekunden Sinn machen, manchmal reicht aber auch schon weniger. Ein Stativ ist da natürlich gut. An Bord von Schiffen kann das jedoch zu Kameraverlust führen. Manche Zeitgenossen erarbeiten sich ziemlich rücksichtslos den Weg in die erste Reihe, es soll durchaus vorgekommen sein das dabei Stative samt Kameras über Bord gingen.Das Ganze geht aber durchaus bis zu einer Sekunde auch von Hand:Dazu die Kamera auf Selbstauslöser stellen ( 2-5 Sekunden ), am besten den Signalton abschalten, eine stabile Position suchen ( etwa an Schiffswand anlehnen, auf Reling stützen,…) und dann Auslösen. In der Vorlaufzeit eine ruhige Position einnehmen und die Belichtung abwarten. Erstaunlicherweise gelingen so durchaus scharfe Bilder, wenn auch der Ausschuss natürlich trotzdem hoch ist.
  • Lichtstarke Weitwinkel. Polarlichter breiten sich am Polarkreis meist über den ganzen Himmel aus, ein möglichst weiter Winkel und eine gute Lichstärke sind hier also eine Hilfe.
  • AF aus, keine Schärfepriorität. Der AF findet nichts auf das er fokussieren kann. Also ausmachen, manuell auf unendlich stellen. Hier können Weitwinkel helfen mit ihrem großen Schärfebereich werden auch Vordergrund und Polarlicht scharf
  • dunkle Umgebung suchen! Das Umgebungslicht sollte möglichst gering sein, gerade auf Schiffen wo eine gewisse Mindestbeleuchtung sein muß, will der Standpunkt also vorher ausgekundschaftet werden! Selbst Wiederschein von Siedlungsbeleuchtungen an Wolken werden mitverstärkt, die glühen dann schonmal heller als das eigentliche Polarlicht! Auch Autolichter, automatische Blitze ungeübter Fotografen… sind ein Problem!
  • Polarlicht allein ist fad. Wer nur den Himmel fotografiert hat ein surreales Bild das keinerlei Aussage hat. Bezugspunkte aus dem Gelände (Berge, Hütten,…) oder andere Teile des Vordergrundes, etwa Teile des Schiffs, stellen erst Relationen her:
    Grünes Polarlicht polarlicht3
  • souveräne Kamerahandhabung im Dunklen. Zumindest, sofern vorhanden, den INFO-Button sollte man finden. Aber auch ISO, Zeit und Blende verändern können ohne viel Licht. Wer allein unterwegs ist der denke an so etwas wie eine Stirnlampe!
  • Ersatzakku!Klingt banal, macht sich aber schnell bemerkbar. In der Kälte halten die Akkus max. halb so lange wie sonst. Es hilft also einen weiteren Akku warm am Körper parat zu haben!
  • richtige Kleidung. Es wird dort oben sehr schnell kalt um diese Zeiten -5 Grad sind normal, -10 möglich, -20 denkbar. Man kann dabei bis zu Windstärke 8 oder mehr haben mit horizontalem Schneeflug dazu. Dann klart es plötzlich auf und 10 Minuten später hat man ein Polarlicht am Himmel. Wer da schon vor Kälte zittert oder klamme Finger hat, hat verloren. Gute Kleidungmit Funktionsunterwäsche, warme Handschuhe die man gegen dünne Handschuhe ( zum bedienen der Kamera) wechseln kann, dicke Mütze und viele warme Getränke helfen da enorm!
  • Geduld! Wer wirklich losfährt nur um Polarlicht zu sehen, der sollte das nur in den beschriebenen Maximalzeiten machen und trotzdem 2 Wochen Zeit mitbringen! Manche Ereignisse sind klein und von kurzer Dauer, andere können durchaus 1h am Himmel stehen und sich langsam wie übergroße Rauchkringel verändern.
(4) Färbungen

90% der Polarlichter nördlich des Polarkreises sind grün und man steht quasi direkt unterhalb der Lichter. Blaues Polarlicht ist sehr selten, rot kommt fast nicht vor. In Deutschland ist der Winkel ein anderer man schaut eher schräg auf das Polarlicht, auch kollidieren hier andere Teilchen auf dem Weg, so das die Lichter eher rot gefärbt

sind. Die Erscheinungen sollen dabei auch örtlich begrenzter sein.

(5) Hunting the Light

Ist eine Thementour der Hurtigrute. Wir wisse , dass viele die Route eh mal fahren wollen. Diese Tour ist extra darauf ausgerichtet. Die Schiffe halten bei Polarlicht, werden abgedunkelt soweit erlaubt  und man hat eben andere die für einen Sichtungen melden und muß nicht selbst den ganzen Abend frieren. Es macht also durchaus Sinn diese Tour zu diesem Zweck zu fahren. Zudem sind die Angebote im Winter eh billiger.

und es laufen häufig Specials die nochmal preislich drastisch billiger sind. Das Kontingent für 2011 soll von einem auf drei Schiffe mit Angebotsplätzen aufgestockt werden, auch die Hurtigrute muß inzwischen wirtschaftlich arbeiten und die Schiffe füllen. Das drückt, erfreulich für uns, die Preise.

Wer die kalte Einsamkeit nicht scheut und lieber selbst suchen will, dem sei ein Standort nördlich von Tromsö oder ein Ort auf den Lofoten empfohlen. Auf den Schiffen sind Aufnahmen eben nur eingeschränkt machbar!

Ca. alle n Jahre soll es auch zu einem größeren Ausbruch kommen, der dann Polarlicht bis in unsere Breiten sehr stark und deutlich darstellt. Auch dieses Ereignis steht wohl rein statistisch demnächst an. Die Chancen an einem klaren Herbstabend hier Polarlicht in Deutschland fotografieren zu können sind also da, sofern man in Deutschland noch ein an sonsten dunkles Plätzchen findet!

Und vor allem: Vor lauter Fotografiern das Live anschauen nicht vergessen, es ist wirklich ein beeindruckendes Schauspiel das man durchaus auf sich wirken lassen sollte!