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Einer fuer Alles, der ColorMunki von X-Rite, ein Erfahrungsbericht.

Posted in Erfahrungsberichte, Farbmanagement, Technik von Donholg am 28. Jan. 2010

MunkiHeader

Nur ein einziges Gerät für alle Farbmanagement-Bedürfnisse eines Amateurfotografen, das klingt sehr verlockend.
Wie gut das in der Praxis funktioniert, haben wir uns näher angesehen:

Um einem Monitor die richtigen Farb-Manieren beizubringen, stehen dem ambitionierten Amateurfotografen heute einige bezahlbare Lösungen zur Verfügung.
Ist dann noch ein Beamer im Haushalt, möchte man natürlich auch hierüber seine Fotos in den richtigen Farben betrachten.

Wenn jetzt auch der eigene Fotodrucker ein stimmiges Bild abgeben soll, wird es im Amateurbereich eng.
Natürlich gibt es für einzelne Papier-Drucker Kombinationen die dazu passenden Profile, aber leider nicht für alle.

Wer seltene Spezialpapiere nutzt, einen seltenen Drucker benutzt oder als Schnäppchen beim Discounter mal schnell ein Paket Fotopapier mitnimmt oder gar Tinte von Fremdherstellern verwendet, der kommt um ein eigenes Profil nicht herum.
Der ColorMunki von X-Rite beherrscht alle Disziplinen.

Der Lieferumfang:
Umfang
ColorMunki
Tasche mit Gegengewichten
USB-Kabel
Software-CD
Videotutorial-DVD
Kurzanleitung

Die Installation: (Testsystem: Win7 Home Premium mit 2 Monitoren)
Zunächst wird die Software installiert, bevor das Gerät erstmalig angeschlossen wird.
Sobald der ColorMunki über das USB-Kabel mit dem Computer verbunden wird startet die automatische Treibersuche.

Leider wurde Win7 64bit nicht fündig und der Treiber musste von Hand ausgewählt werden (liegt im Ordner Programme(x86)/X-Rite/Devices/Drivers).
Die Software sucht automatisch nach einer neueren Version auf der Homepage.
Aber nicht erschrecken, wenn für eine aktuelle Version über 300MB heruntergeladen werden müssen, weil X-Rite anscheinend kein Update anbietet, sondern immer das komplette Paket neu geladen werden muss.

Die aktuelle Softwareversion erhält man hier!

Das Gerät:
Das Messgerät ist ein Spektralfotometer im Unterschied zu den Colorimetern anderer Lösungen der Einstiegsklasse.

Munki360

Colorimeter vergleichen bei ihren Messungen ausgewählte Spektralbereiche mit Farbfiltern und vergleichen und bewerten die sich daraus ergebenden Grauwerte.
Spektralfotometer sind in dieser Hinsicht aufwendiger und berücksichtigen das gesamte (vom Gerät messbare) Farbspektrum.

Das Gerät liegt mit seinen 10×10x4,5 cm gut in der Hand und ist nach der Devise Form folgt Funktion gut designed.
Der runde Drehschalter dient zur Ausrichtung des Spektralfotometers in die Messpositionen, die jeweils für Selbstkalibrierung, Umgebungslichtmessung, Beamerprofilierung, Monitorkalibrierung oder Druckerprofilerstellung vorgesehen sind.

Um das Gerät mittig auf einem Monitor platzieren zu können, liegt eine Neoprentasche mit Gegengewichtgurt bei, der per Klettverschluss auf zwei unterschiedliche Längen verstellbar ist.

Tasche

Man sollte nicht vergessen die Klappe an der Unterseite der Tasche aufzuschieben, wenn man seinen Monitor vermessen möchte. Andernfalls „sieht“ das Gerät nichts und man sucht eine Weile hilflos und irgendwann herum, bis man den kleinen aber entscheidenden Fehler bemerkt.

Die Software:
Die „Photo“ Software ist klar gegliedert und man findet sich auch ohne Studium der Kurzanleitung oder des mitgelieferten Videotutorials sofort gut zurecht.

Menue

Empfehlenswert ist das Video auf alle Fälle, wenn man sich als Anfänger zuvor über den Sinn von Farbmanagement informieren möchte.
Der Sprecher spricht seinen Text immer sehr schnell, aber man kann das Video jederzeit anhalten oder wiederholen, wenn es zu schnell geht.

Die Monitorkalibrierung:
Die Software erkennt beim Start auch ggf. zwei angeschlossene Monitore. Die Messung wird für jeden Monitor separat durchgeführt und das Profil dem jeweiligen zugeordnet. Einfach und bequem!

Monitore

Man hat in der Software zwei Messmethoden zur Auswahl, „Einfach“ und „Erweitert“.
Im einfachen Modus findet lediglich eine Farb-Profilierung des Monitors statt.
Gamma, Helligkeit und Kontrast des Monitors werden vorher nicht gemessen und ggf. eine Korrektur vorgeschlagen.

Das macht nur dann Sinn, wenn der Monitor nicht einstellbar ist oder man eine erst kürzlich durchgeführte Komplettprofilierung nur schnell erneuern möchte.
Der erweiterte Modus bietet zahlreiche Einstellungen an:
Berücksichtigung des Umgebungslichts, Leuchtdichte (80-140), Weißpunkt (D50, D55, D65 und nativ).
Eine Vorjustierung der RGB Einstellungen am Monitor wird von der Software nicht angeboten. Das mag daran liegen, dass immer weniger Monitore diese Einstellungsmöglichkeit überhaupt noch bieten. Eine optimale Monitoreinstellung, die vermeidet, dass das Profil die RGB Kurve extrem korrigieren muss, findet man ohne diese Möglichkeit leider nicht. Schade!
Die Messung wird zügig in 4 Schritten (Umgebungslicht, Kontrast, Helligkeit, Farbmessung) durchgeführt und nach wenigen Minuten ist das Profil fertig.

Das Ergebnis:
Die Farben waren nach der Profilierung subjektiv stimmig. Sogar ein bekanntermaßen dürftiger Laptopmonitor ist mit dem ColorMunki problemlos zu profilieren.
Fazit: Empfehlenswert.

Die Beamerkalibrierung:
Zur Beamerkalibrierung stellt man den Munki in die Nähe der Leinwand und dreht den Messkopf in die obere Messposition. Die Software fordert den Nutzer zur Veränderung des Blickwinkels auf, wenn der Messkopf nicht hinreichend „Blickkontakt“ zur Leinwand hat. Ist die richtige Position gefunden, geht es flott durch den Kalibrierungsprozess genau wie bei der Monitorkalibrierung und auch hier ist das Ergebnis erfreulich farbneutral.
Auch bei der Beamerkalibirierung ist eine RGB-Vorjustage des Beamers leider nicht möglich. Das wäre auch für den HD-TV Fan eine wünschenswerte Option, da der Beamer dann auch für die Heimkinonutzung über einen externen Blueray- oder DVD-Player ein wenig farboptimiert werden könnte.

Die Druckerproflilierung:
Getestet wurden der A4 Drucker Canon iP5000 mit 3 Farb- und 1 SW Patrone und zwei A3 Drucker (Canon i9950 mit 7 Farb- und 1 SW Patrone und ein Epson Photo2400) mit Papieren verschiedener Hersteller: Rex vom Aldi, Canon Originalpapier, Schoellershammer und Ilford)
Zum Einsatz kamen sowohl Originaltinten, als auch Tinte eines Fremdherstellers.
Zu Beginn der Profilierung wählt man den Drucker aus und gibt dem Profil den Namen des Papiers.

Drucker

Bevor das erste Testtarget ausgedruckt wird, muss man im Druckertreiber die Farbverwaltung des Druckers abschalten. Die im Treiber gewählte Papierart, Druckqualität und Farbsättigung/Intensität sollte man sich für die künftigen Ausdrucke notieren, denn nur zu diesen Einstellungen passt das danach erstellte Profil!

ErsterSchritt

Jetzt geht alles blitzschnell! Das erste Testtarget mit 50 Farbfeldern ist schnell gedruckt. Idealerweise wartet man jetzt 10 min. bis die Tinte getrocknet ist und der Ausdruck seine endgültige Farbe und Sättigung erreicht hat, oder man ist ungeduldig, nimmt einen Fön und ist etwas flotter im nächsten Schritt.

Drucker2

Die 5 Farbstreifen werden jetzt zügig innerhalb weniger Sekunden gemessen, indem man den ColorMunki mit gedrückter Messtaste schnell (1sek. je Streifen) über die 5 Teststreifen zieht. War man zu schnell oder zu langsam oder hat die Taste nicht rechtzeitig gedrückt, warnt die Software und man muss den letzten Streifen wiederholen. Manchmal ist die Software etwas zickig und man benötigt schon mal 5-10 Anläufe, bis ein Streifen korrekt erfasst wurde, ohne dass man spürbar etwas falsch macht.

Danach wird das zweite Testtarget berechnet und ausgedruckt. Nach der Messung des zweiten Targets ist man bereits fertig. Die gesamte Prozedur dauert etwa 25 Minuten.

Testcharts

Das Ergebnis:
Man musste gerade bei der Druckertreiber Einstellung „Intensität“ bei beiden Canon-Treibern erst ein paarmal experimentieren, weil gerade beim Rex-Aldipapier die Ausdrucke viel zu dunkel oder zu blass wurden. Das Profil beeinflusst scheinbar nicht die vom Drucker verwendete Tintenmenge, sondern justiert im Wesentlichen „nur“ die Farbbalance. Mit Werten zwischen -8 bis -5 passte die Sättigung des Ausdrucks einigermaßen, aber die Ausdrucke waren immer noch zu dunkel.

Mit den anderen Papieren waren die Ergebnisse stimmiger, aber auch hier war eine leichte Korrektur der Tonwertkurve vor dem Ausdruck nötig, damit der Ausdruck nicht zu dunkel wurde. Letztlich wurde für jede Papiersorte der Vorgang mit 3 verschiedenen Intensitätseinstellungen wiederholt, bis das Druckergebnis etwas heller wurde.
In dieser Hinsicht hatten wir mehr erwartet und gehofft, dass dem Nutzer die Treiber-Fummelei erspart bleibt. Gerade zu dunkle Ausdrucke möchte man mit einer Profilierung schließlich vermeiden.

Hat man einmal den Wert herausgefunden, mit dem man den Ausdruck aufhellen muss, erhält man endlich das, was man möchte: Einen Ausdruck, der genauso aussieht, wie man das Foto am Monitor sehen kann.
Fazit: Ein gutes Farbprofil ist rasend schnell erstellt, aber eine Nachbesserungsfunktion zur Helligkeitsanpassung des Profils bietet die Software leider nicht an. Hier ist weiterhin Handarbeit gefragt.

Gesamteindruck:
„Einer für Alles“ ist ein großer Anspruch, den der ColorMunki im Wesentlichen erfüllt.
Monitor- und Beamerproflilierung liefern sehr gute Ergebnisse.
Auch die Druckerprofilierung klappt in Sachen Farbbalance hervorragend und blitzschnell.
Ein paar Feinheiten könnte X-Rite im nächsten Softwareupdate noch einbauen:
RGB Vorjustage der Monitor/Beamer Hardware, Helligkeitstuning der Druckerprofile.