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Das Praxisbuch HDR-Fotografie ( Juergen Held )

Posted in Bildbearbeitung, Rezensionen (Bücher/Software), Technik von Weinlamm am 14. Aug. 2008

Das Praxisbuch HDR-Fotografie“.

… gut; es ist ein Praxisbuch. Heißt wir fotografieren. Kamera zur Hand, Buch aufgeschlagen. Wie macht man nun diese Sagenumwogenen HDR-Bilder… ?

Direkt in der Einleitung liest man dann, dass sich das Buch thematisch vom Inhalt her mit allem von der Ausrüstung bis zur Nachbearbeitung befasst und man den kompletten HDR-Workflow kennen lernt und als Krönung dann sogar noch HDR-Panoramen erzeugen lernt. Auch Hoffnungen wecken dürfte wohl bei dem ein oder anderen der Hinweis, dass nicht die teuerste Ausrüstung notwendig ist und man sogar mit einer ( hochwertigen ) Kompaktkamera das Ziel der Erstellung guter HDR-Bilder erreichen kann.

Jedoch wird auch direkt vom Autor darauf hingewiesen, dass beeindruckende HDR-Bilder nicht im Handumdrehen entstehen. Man solle schon einen gewissen fotografischen Sachverstand mitbringen und auch bereit sein sich mit anspruchsvoller Software in der digitalen Bildbearbeitung auseinander zu setzen.

Insoweit heißt es nun doch sinnigerweise erst einmal die Kamera beiseite zu legen und sich mit dem Inhalt des Buches zu befassen. Dieser gliedert sich wie folgt:


1        Vom LDRI zum HDRI … 11
1.1 … Das HDR-Prinzip … 11
1.2 … Anatomie eines HDR-Bilds und Formate … 15
1.3 … Was ist möglich mit HDR? … 23
1.4 … Tone Mapping … 26
1.5 … Workflow zum Tonemapped-HDRI … 28
1.6 … Alternative DRI: Exposure Blending … 35

2        Für HDR fotografieren … 37
2.1 … Vorbereitung und Ausrüstung … 37
2.2 … Digital oder analog? … 41
2.3 … Auswahl eines HDR-Motivs … 43
2.4 … Die Bildkomposition erstellen … 45
2.5 … Brennweiten für HDR-Aufnahmen … 52
2.6 … HDR-Bilder richtig belichten … 54
2.7 … Vom Umgang mit der Bilderflut … 63

3        Das RAW-Format als Grundlage für HDR-Fotos … 69
3.1 … Das RAW-Format verstehen … 69
3.2 … Der Umgang mit RAW-Dateien in der Praxis … 72
3.3 … Warum RAW für HDR nutzen? … 75
3.4 … Adobe Camera Raw für die HDR-Fotografie einsetzen … 78

4        HDR-Bilder erzeugen … 99
4.1 … Die Ausgangsaufnahmen auswählen und vorbereiten … 99
4.2 … Photomatix: Das HDRI erzeugen … 103
4.3 … Photomatix: Das Tone Mapping … 108
4.4 … Photomatix: Exposure Blending … 117
4.5 … Photomatix: Die Batch-Verarbeitung … 124
4.6 … Photomatix: Pseudo-HDR aus einem Bild … 128
4.7 … Das Photomatix-Plug-in für Photoshop … 130
4.8 … HDR-Workflow mit Photoshop … 132

5        HDR-Bilder nachbearbeiten … 139
5.1 … Die wichtigsten Werkzeuge für die HDR-Nachbearbeitung … 139
5.2 … Tonwertkorrektur und Gradationskurve … 145
5.3 … Freistellen und Transformieren … 151
5.4 … Rauschen entfernen … 157
5.5 … Bilder retuschieren … 161
5.6 … HDR-Bilder nachschärfen … 166
5.7 … Bilder für das Internet bearbeiten … 168

6        HDR-Panoramafotografie … 175
6.1 … Vorbereitung und Ausrüstung … 175
6.2 … Panoramamotive auswählen und fotografieren … 177
6.3 … Projektionsarten und Panoramaformen … 180
6.4 … Die Aufnahmen zusammenfügen … 189

7        Workshops … 201-272

Die DVD zum Buch … 275

Wie man am Inhaltsverzeichnis erkennen kann, ist dem Buch auch eine DVD mit allerlei nützlichen Dingen beigefügt.

Das Buch beschreibt zum großen Teil Arbeiten, die mit dem Programm “Photomatix” erledigt werden können. Auf der beigefügten DVD sind 30-Tage-Testversionen von Photoshop CS3, Photoshop Elements 6, Photomatix, Easy HDR Pro, PT Gui ( Panoramen ) und Artizen HDR beigefügt. Des weiteren wurden die Freeware-Programme Easy HDR Basic sowie Raw Shooter Essential auf die DVD gepackt; weitere Freeware-Titel sind im Praxisbuch genannt. So kann der an HDR interessierte direkt nach dem Schmökern der ersten Kapitel und dem Anfertigen der ersten Belichtungsreihe starten seine eigenen HDR´s zu erstellen.
( An dieser Stelle sei noch auf den Artikel “HDR for free” im NP-Wissen verwiesen ).

Um seinem Namen “Praxishandbuch” gerecht zu werden, ist den Ausführungen des Autors ein Workshop-Part beigefügt worden. Hier werden anhand von Beispielbildern ( die im übrigen zur Nachbearbeitung auf der DVD enthalten sind ) und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung gezeigt, wie einzelne Bereiche aus der HDR-Praxis bearbeitet werden.

Gerade der Workshop-Teil dürfte für Einsteiger in die Materie HDR sehr interessant sein. Da jedoch ein intensives Auseinandersetzen mit verschiedener Software erfolgt ( u.a. auch mit Adobe Camera Raw ) werden auch dem erfahrenen User in Sachen HDR an verschiedenen Stellen Teile seines Workflows vor Augen gehalten, die einem so nicht bewusst waren oder man bislang nicht intensiv genutzt hat ( die immer wieder erfolgenden Hinweise auf Funktionsumfänge von Adobe Camera Raw bzw. Bridge sind hier hervor zu heben ).

Zunächst wird im ersten Kapitel erläutert wie HDR funktioniert und in welchen Bereichen dem Fotografierenden dies Vorteile bringt sowie was mit HDR alles möglich ist. Auch werden verschiedene Software-Programme vorgestellt.

Im zweiten Kapitel wird erläutert, wie man Bildreihen für HDR erstellt. Den durch die immer kürzeren Entwicklungszyklen und den damit einher gehenden Diskussionen in verschiedenen Internetforen eventuell erschreckten Fotografierenden wird an dieser Stelle freuen, dass es für HDR-Aufnahmen nicht entscheidend ist die neuesten Kameragenerationen sein eigen zu nennen. Selbst eine Bridge-Kamera soll ausreichend sein, wenn sich mit ihr Daten im Raw-Format erstellen lassen und Blendenreihen möglich sind.

Was sehr gut vom Autor beschrieben wird ist der Umstand, dass HDR nicht zum Selbstzweck verkommen darf, sondern dass auch hier die grundlegenden Gestaltungsregeln gelten. Diese werden im Praxisbuch kurzerhand gleich mit erläutert. Natürlich kommt auch der technische Aspekt ( wie mache ich überhaupt ein vernünftiges Bild, welches sich zu einem HDR verarbeiten lässt ) nicht zu kurz.

Das dritte Kapitel befasst sich mit Raw-Daten und der Be- und Verarbeitung dieser. Hier werden wertvolle Tipps im Hinblick auf dieses Datenformat gegeben und auch die Sinnhaftigkeit erläutert. An vielen Stellen wird hier auch auf Funktionsumfänge von Adobe Camera Raw verwiesen.

Das vierte Kapitel befasst sich nun endlich mit der Erzeugung von HDR-Bildern. Gerade in diesem Bereich des Buches wird an vielen Stellen auf mögliche Fehler durch entsprechende Hinweise und Tipps hingewiesen. Es werden hauptsächlich anhand des Programms Photomatix ( in der Version 2.51 ) verschiedene Einstellungen vom zusammenrechnen der Einzelaufnahmen bis hin zum Tonemapping und anschließenden Weiterverarbeitung des Bildes gezeigt. Auch die Erläuterung der Batch-Verarbeitung oder die Erstellung guter Pseudo-HDR-Bilder kommt hier nicht zu kurz.

Es wird nicht nur das Programm Photomatix erläutert, sondern auch die Ver- und Bearbeitung mit Photoshop ausführlich dargestellt ( seit der Version CS2 ist in der Software ein eigenes Werkzeug zu Erstellung von HDR-Bildern integriert ).

Bereits im Buch wird darauf hingewiesen, dass es eine neue Version ( 3.x ) von Photomatix geben wird. Nach der Registrierung ( eine entsprechende Kennung ist im Buch abgedruckt ) auf der Internetseite des Verlags wird man über Neuerungen bzw. Ergänzungen informiert ( in Bezug auf den Funktionsumfang von Photomatix 3 soll das vierte Kapitel erweitert bzw. ergänzt werden; aktuell per 08 / 2008 ist jedoch eine Ergänzung noch nicht erschienen ).

Edit ( vom 12.09.2008 ):

Nach aktueller Mitteilung des Verlags Galileo Design ( für alle registrierten Nutzer ist dieser Hinweis per Email verteilt worden ), gibt es nun im Internet abrufbar die in der Rezension angesprochenen Ergänzungen im Internet ( Quelle: http://www.galileodesign.de/1598 )

In Kapitel fünf geht es um die Nachbearbeitung der von uns erstellten HDR-Bilder. Wichtige Begriffe in diesem Kapitel sind “Korrektur- und Retuschewerkzeuge, Filterwerkzeuge, Transformation und Kompression”.

Der erfahrene Fotografierende wird sich zum großen Teil mit den hier beschriebenen Korrekturmöglichkeiten auskennen. Aber gerade auch für den Einsteiger oder den nicht so sehr in EBV geübten Fotografierenden sollten die hier gut bebilderten Erläuterungen und Einstellungsmöglichkeiten hilfreich sein. In diesem Kapitel werden zum Teil grundlegende Bearbeitungsschritte sehr gut dargestellt erläutert, die nicht nur im Bereich der HDR-Fotografie Anwendung finden, sondern sich auch für die “normale Arbeit” verwenden lassen.

Kapitel sechs befasst sich dann schließlich mit der “Königsklasse” der HDR-Fotografie: den HDR-Panoramen. Hier wird eingehend erläutert, welche technischen Anforderungen man für diesen Bereich hat ( Stativ, Nodalpunktadapter, usw. ), wie man geeignete Motive für die (HDR-)Panoramafotografie auswählt und wie man die Panoramen zusammen rechnet.

Schließlich wird dann auch dargestellt, wie man 360-Grad-Panoramen erstellt und welche Software man hierzu verwenden kann. Hier werden zwar die Grundzüge erläutert, man sollte jedoch nicht erwarten, nach dem Studium des entsprechenden Teils des Kapitels direkt auch perfekte 360-Grad-Panoramen erstellen zu können. Schließlich geht es in unserem Praxisbuch um HDR-Fotografie und der Bereich der 360-Grad-HDR-Panoramen stellt nur einen “Ausflug” in diesen Bereich dar.

Kapitel sieben ist dann schließlich der Workshop-Teil. Ebenfalls gut dargestellt in den einzelnen Schritten und jeweils bebildert ( Einstellungen und Ergebnis ). Die auf der DVD vorliegenden Beispielbilder helfen insoweit das im Buch beschriebene dann wirklich 1:1 nacharbeiten zu können. Die Themenbereiche der Workshops sind:

- Gebäudefotografie
- Nachtfotos perfekt belichten
- Schwarzweiß mit Photoshop
- Schwarzweiß mit farbigem Eye-Catcher
- Pseudo-HDR mit RawShooter
- Unechte Belichtungsreihe
- Dynamic Range Increase
- Der Photoshop-Elements-Trick
- Vom Foto zum Gemälde
- Sureale Landschaften
- HDR experimentell
- Innenräume belichten
- Optisches Tuning
- Landschaftspanoramen
- Flächenpanoramen erstellen
- 360-Grad-Panorama
- Ein Panorama zum Scrollen

Fazit:

Ein sehr interessantes Buch und sehr für Einsteiger in die Materie HDR zu empfehlen. Aber auch der fortgeschrittene User, der seinen Workflow zu optimieren und verbessern sucht, kann hier viele hilfreiche Dinge und Erweiterungen lernen bzw. Erfahrungen hinzu erwerben.
Aber eins sollte man nicht vergessen: Praxishandbuch bedeutet auch “raus gehen, fotografieren, ausprobieren und dann gezielt nachschlagen”.
Wenn man das vorliegende Werk in der gleichen Art wie ein Kamerahandbuch versteht ( zuerst lesen, dann testen, bei Fragen und Problemen gezielt nachschlagen ), dann bekommt man mit dem erworbenen Werk eine sehr zu empfehlende Lektüre an die Hand.

Weitere Beiträge im NP-Wissen zum Thema:

- HDR/HDI for free ( verschiedene kostenlose Programme )

- Licht ins Dunkel mit Photomatix Pro 2.4

- DRI/HDR   Was ist das und wie geht das?