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Stuerzende Linien ade per Software “DigitalCardanCam”

Posted in Bildbearbeitung, Rezensionen (Bücher/Software), Software von Weinlamm am 16. Feb. 2008

Man muss nicht unbedingt die Pyramiden von Gizeh fotografieren, um in der Architekturfotografie mit schrägen Linien konfrontiert zu werden. Wer sich mit der Fotografie von Architektur oder Gebäuden beschäftigt, kommt früher oder später mit stürzenden Linien in Berührung. Spätestens, wenn weitere Betrachter des Bildes die Stirn runzeln “… mit den Geometrien stimmt etwas nicht…”, wird es Zeit, sich mit Korrekturmöglichkeiten zu befassen.
Neben Hardware-Lösungen gibt es auch Software, welche dieses Problem lösen kann. Eine speziell auf diesen Zweck ausgerichtete Software “DigitalCardanCam” wollen wir im folgenden Beitrag näher betrachten.

dcc_logo

Es gibt zwei Versionen des Programms, beide für Windows. Eine Stand-Alone-Version und eine Plugin-Version im Photoshop-Format. Zu beachten ist, dass es u.U. zu Problemen bei der Installation auf CS3-Systemen geben kann, wenn auf dem betreffenden Rechner zuvor kein CS2 installiert war. Bei unserem Test trat jedoch insoweit kein Problem auf. An der Version für Mac wird aktuell gearbeitet.

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Installation

Die Installation erfolgt so, wie auch bei sonstigen Plugins. Man zieht das Plugin in den Unterordner …/Zusatzmodule/Filter/. Zusätzlich werden noch zwei Dateien benötigt, die vom Anbieter zur Verfügung gestellt werden und die in das Hauptverzeichnis von Photoshop kopiert werden.

Nach dem nächsten Start von Photoshop kann man nun das Programm benutzen ( nach Eingabe der Seriennummer ).

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Vorarbeiten

Bevor man sich an das eigentliche Ausrichten der Bilddateien begibt, wird dringend empfohlen die Verzeichnung der verwendeten Kamera-Objektiv-Kombination zu korrigieren. Dies ist absolut verständlich, da ohne gerade Linien natürlich auch eine späterer Korrektur durch DigitalCardanCam nahezu unmöglich erscheint.

Das Programm beinhaltet eigene Werkzeuge für die Korrektur. Da hier jedoch nicht automatisiert, sondern nach Augenmaß, korrigiert werden muss, empfiehlt es sich dennoch andere Werkzeuge ( a la PTLens o.ä. ) zu verwenden.

Nach dem Entzerren der Aufnahmen kann die eigentlich Arbeit beginnen.

dcc_verzeichnung

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Korrektur von Bildern ( manuelle Methode )

Dieses Verfahren empfiehlt sich, wenn die Aufnahmebrennweite und die Neigungswinkel der Kamera bei der Aufnahme bekannt sind ( gemessen wurden ) oder wenn die Aufnahmebrennweite bekannt ist und die Entzerrung nach Augenmaß erfolgen soll.

Nachdem die Verzeichnungskorrektur erfolgt ist, ist im nächsten Schritt der Bildhorizont waagerecht zu stellen. Hierbei hilft einem ein einblendbares Gitternetz. Über die Toolbox „Bild drehen“ kann das Bild entsprechend waagerecht ausgerichtet werden.

dcc_bild_drehen

Wenn der Horizont begradigt ist, sollte man sich der Toolbox ” Stürzende Linien beseitigen“ zu wenden. Hier ist zunächst die verwendete Kamera ( Kleinbild ) und der Crop-Faktor ( in unserem Fall für die Kodak DCS 14nx “1,0″ ) ein zu stellen. Des weiteren ist die Aufnahmebrennweite des Objektivs ein zu stellen ( bei uns verschieden ). Sofern Crop-Kameras verwendet werden, ist hier die Kleinbild äquivalente Brennweite ( z.B. 30 x 1,5 = 45 ) ein zu geben.

dcc_bild_schwenken dcc_eingaben

Vertikalen stürzenden Linien werden über den Regler “Neigung” gerade gestellt und horizontalen stürzenden Linien über den Regler „Schwenk“.

Wir befinden uns im individuellen Modus, in dem wir entweder nach Augenmaß korrigieren ( das Gitternetz ist jederzeit einblendbar ) oder aber unserer zuvor gemessenen Verschwenkungswinkel ein geben können.

Über den Button „E“ können die Werte für Brennweite, Verschwenkwinkel der optischen Achse der Kamera gegen die Horizontale und seitlicher Kippwinkel der Kamera (Schiefe des Bildhorizonts) numerisch ein gegeben werden.

Im Anschluss werden die Daten mit einem Klick bestätigt und das Programm rechnet die Korrekturen nun endgültig fertig und wir können im Anschluss unser Bild speichern oder bei Verwendung des Plugins mit Photoshop weiterbearbeiten.

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Korrektur von Bildern ( Automatik )

Die Vorarbeiten ( Entzerren des aufgenommenen Bildes ) ist wieder wie für die manuelle Korrektur notwendig. Dies ist ja auch absolut nachvollziehbar.

Durch klicken auf das in der Menüleiste enthaltene Lineal werden vier blauen Linien im Bild angezeigt. Diese werden mit Hilfe der Maus auf senkrechte und waagerechte Linien im Bild geschoben ( z.B. an Kanten oder Fenster eines Gebäudes ), so dass sie mit den entsprechenden Linien deckungsgleich sind.

Sind die blauen Linien korrekt ausgerichtet, so ist dies zu bestätigen. Hiernach wird vom Programm automatisch eine Korrektur vor genommen. Hierbei handelt es sich jedoch zunächst nur um ein Zwischenergebnis ( die effektive Aufnahmebrennweite wird ermittelt und der Bildhorizont durch Drehung automatisch begradigt ).

Die Endkorrekur wird auch hier in der Toolbox „stürzende Linien beseitigen“ durch geführt. Dies, in dem nun manuell der Regler „Schwenk“ auf „0“ setzt ( hierdurch werden die senkrecht stürzenden Linien vollständig begradigt – die waagerechten zunächst belassen ).

Je nach Intention des Fotografierenden können nun über “Neigung” auch die waagerechten stürzenden Linien
entweder teilweise oder vollständig beseitigt werden.

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Vorteile gegenüber dem manuellen Entzerren

Das Programm arbeitet nach dem System der Fachkamera, so dass eine Korrektur von stürzenden Linien in vollem Umfang möglich ist. Der Vorteil gegenüber dem Entzerren via Bildbearbeitungsprogrammen ist wesentlich schnellere und genauere Arbeiten.

Die Werbeaussage ( …exakte digitale Simulation der Beseitigung horizontaler und vertikaler stürzender Linien… ) für DigitalCardanCam soll die EINE besondere Eigenschaft der Software ausdrücken, nämlich die, dass sie ( abgesehen vom größeren Winkelspielraum ) nur GENAU solche Bildverformungen ZULÄSST, die auch mit einer optisch-mechanischen Entzerrung entstehen würden.

Diese Sicherheit, keine digitalen Phantasieverformungen zu produzieren, möchte man insbesondere den Fotografen geben, die von analog auf digital umsteigen wollen. Eine wesentliche Bedingung für die in diesem Sinne “richtige” Verformung ist die Berücksichtigung der Aufnahmebrennweite, die bei keiner PS-Funktion möglich ist, auch nicht bei den Lens-Correction-Funktionen, die seit CS2 vorhanden sind.

Vielmehr entsteht durch Anwendung des eigens für die Software DigitalCardanCam entwickelten, analytischen trigonometrischen Modells der mechanischen Verstellung der Bildebene einer Kamera auf digitalem Wege eine Verformung des Gegenstandsabbildes, die identisch ist mit der Verformung auf optisch-mechanischem Wege ist.

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Vorteile gegenüber der Verwendung von Shift-Objektiven

Bislang werden in der Architekturfotografie zum Entzerren während der Aufnahme sog. Shift-Objektive eingesetzt. Hierbei handelt es sich um Festbrennweiten, die gewöhnlich samt Kamera auf ein Stativ montiert werden, wobei der Schwenk nicht mit der Kamera an sich erfolgt, sondern das Objektiv zwischen Kamera und Motiv verschwenkt wird.

Der Vorteil gegenüber dem Einsatz von Shift-Objektiven ist der größere verfügbare Verstellbereich. Shift-Objektive sind in ihrem Verstellbereich begrenzt. Die Software DigitalCardanCam dagegen erlaubt den vollen Verstellspielraum, horizontal und vertikal. Weil es sich dabei ja um eine “virtuelle Mechanik” handelt, sind natürlich auch noch größere “Verstellungen” als bei der den enstprechenden Hardwarelösungen möglich. Verschwiegen werden sollte allerdings nicht, dass hierfür in gewissem Umfang durch das digitale Verzerren der Bilder in gewissem Maße Bildqualität verlorgen gehen ( allerdings nicht wirklich wahrnehmbar; ein Vergleich vorher – nachher wäre auf hohem Niveau ).

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Worauf man beim Fotografieren achten sollte

Durch das anschließende Bearbeiten mitDigitalCardanCam werden u.U. Teile des Bildes so verzerrt, dass man beim fertigen Bild ( nach erfolgtem Beschnitt ) nicht mehr alle gewünschten bildwichtigen Teile mit drauf hat. Um genügend “Fleisch” zu haben, kann man für die Softwareentzerrung nicht das volle Aufnahmeformat nutzen.

Hier sollte der Fotografierende von Anfang an darauf achten, dass er genügend Raum um das eigentlich Motiv lässt, um eine realistische Entzerrung zu erlangen.

Aber es sei auch an dieser Stelle an gesprochen, dass die “Frei-Hand-Schräg-nach-oben-Fotografie” mit dem Hintergedanken “die-Software-wird-es-schon-richten” schnell zu unrealistischen, unwirklichen, Aufnahmeperspektiven ( Standpunkten, die nicht mehr “realistisch” sind ) führt, die nicht mehr korrigierbar sind. Von daher gilt auch hier, trotz der besten Software, dass der bildwichtigste Teil immer noch hinter der Kamera ist…

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Fazit

Die Automatik des Programms funktioniert hervorragend. Hierüber ist es sehr leicht und recht schnell möglich seine Bilder zu korrigieren.

Natürlich kann es passieren, dass die Korrekturen im Automatikmodus nicht zu 100 % genau durchgeführt werden. Daher empfiehlt es sich ggf. im Anschluss an die automatische Korrektur das Gitternetz einzublenden und die letzten mm noch manuell zu korrigieren ( auf die Schnelle hat man manchmal die Messlinien nicht 100 % auf die zu korrigierenden Linien gelegt ). Auf diese Art und Weise hat man sehr zügig und ohne großen Aufwand perfekt korrigierte Ergebnisse!

Ob man nun die senkrechten stürzenden Linien vollständig beseitigt, die waagerechten stürzenden Linien jedoch vollständig belässt ( Standardfall der Entzerrung von Architekturbildern ) oder ob die waagerechten stürzenden Linien nur teilweise korrigiert werden sollen, bleibt dem Geschmack des Fotografierenden überlassen.

Aus unserer Sicht ist das Programm absolut zu empfehlen!

Wir danken dem Entwickler der Software für die freundliche Überlassung der Testversion.

Weiterführende Informationen sind auf der Herstellerseite www.digitalcardancam.de zu finden.