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Gut & Guenstig: Weissabgleich-Filter Vivicap

Posted in DSLR, Technik von Stefan M am 27. Apr. 2010

Viel zu selten macht sich der Fotograf aktiv Gedanken über den Weißabgleich – oftmals erst im Nachhinein, wenn beim Auslesen der Speicherkarte in der Vorschau klar wird, dass die Automatikfunktion der Kamera falsch geraten hat.

Die Luxusversion zur Problemlösung wurde von uns hier schon 03/2007  in hochpreisiger Form der Expo-Disk vorgestellt. Da nicht jeder Hobbyfotograf ca. 100€ dafür investieren möchte, hatten wir immer den Gedanken, daß es bestimmt auch günstiger gehen könnte, im Hinterkopf und zwischenzeitlich auch eine Lowcost-Lösung via Ebay aus Fernost ausprobiert. Doch erst mit Erscheinen der Vivicap von Kaiser Fototechnik können wir guten Gewissens eine günstige Lösung empfehlen.

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Die Vivicap kommt als Zwitter daher, einerseits Objektivdeckel und andererseits Weißabgleichfilter mit spezieller Mikro-Prismenstruktur, die einfallendes Licht so sammelt, filter und zerstreut, daß auf der dem Objektiv zugewandten Innenseite eine theoretisch neutralgraue Fläche erzeugt wird. Ein wie bei Nikon Objektivdeckeln üblicher, innenliegender Klemmechanismus garantiert schnelles Aufsetzen und Abnehmen auch bei montierter Gegenlichtblende. Dieser vollwertige Objektivdeckel-Ersatz hilft unserer Meinung nach enorm dabei, den Weißabgleichsfilter auch wirklich immer dabei zu haben und vor allem auch zu Nutzen.

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Anwendung

Wie funktioniert es? Eigentlich ganz einfach! Vorab sollte man das Handbuch der Kamera konsultieren, wie der manuelle Weißabgleich aktiviert wird. Hierzu gibt es bei vielen Nikon-DSLRs die Taste “WB”, die gedrückt gehalten und gleichzeitig mit dem Einstellrad bis zur Position PRE weitergeschaltet wird. Nun wird die “WB”-Teste erneut betätigt und solange gehalten, bis PRE blinkt, die Messung in Richtung der Lichtquelle erfolgt bei aufgesetzer Vivicap durch Auslösen. Der ermittelte Messwert wird automatisch in der Kamera als PRE-Weßabgleich abgelegt.

In unseren Versuchen war das Ergebnis auch bei teils “fiesem” Kunstlicht visuell stets passend und oftmals der einfachen Lowcostlösung deutlich überlegen.

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Komplizierter wird die Situation bei Mischlicht aus zwei oder mehr unterschiedlichen Quellen. Hier hilft es nur, den Weißabgleich auf die (deutlich) dominierende Lichtquelle auszuführen. Weiteres Feintuning ist danach in der Bildbearbeitung  unumgänglich. Alternativ überzeugten aber auch die Ergebnisse bei der Ausrichtung auf das Motiv, einen Versuch mit anschließender Bewertung am Kameradisplay ist auf jeden Fall wert. In diesen Situationen versagt die Lowcostlösung “weißer Plastikdeckel” im Übrigen komplett!

Achtung: Nicht vergessen, bei wechselnder Lichtsituation erneut vorher eine Messung durchzuführen. Aus diesem Grund eignet sich ein Weißabgleichsfilter auch hauptsächlich für die Fotografie unter kontrollierten Lichtbedingungen mit selten bis nie wechselnder Lichtsituation! An einem heiter bis wolkigen Urlaubstag mit ständig wechselnden Lichtsituationen sowie In- und Outdoorfotos darf man den Filter durchaus auf seine Objektivdeckelfunktion reduzieren oder fleißig vor jedem Foto das Anwendungsprozedere trainieren.

Bei der abschließenden Bildbearbeitung wird die Feinabstimmung des Weißabgleichs nach Geschmack vorgenommen und auf alle Bilder gleicher Lichtsituation (mit gleicher PRE-Messung) übertragen.

Beispiel

Zu Demonstratioszwecken haben wir eine schwierige Lichtsituation geschaffen: Von rechts diffuses, kaltes Tageslicht von einem nordseitig gelegenen Fenster bei wolkenlosem Himmel, von links ein Spot mit einer günstigen Energiesparlampe (12Watt, 2700K).

Das linke Bild zeigt, dass der automatische Weißabgleich der D300 mit der extremen Situation überfordert ist, der manuelle Weißabgleich mittels Vivicap bringt ein sehr natürlich wirkendes Ergebnis inkl. des blauen Lichtreflexes des einfallenden Tageslichtes.

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Nachteile

Anfangs waren die wegklappbaren Drahtgriffe sehr gewöhnungsbedürftig und es besteht die Gefahr, mit ihnen auch mal im Rucksack oder der Kameratasche hängen zu bleiben. Diese Lösung scheint für eine möglichst große, ungestörte Meßfläche im Zentrum der Vivicap jedoch notwendig zu sein und zugunsten der Bedienbarkeit bei aufgesetzer Gegenlichtblende ist es trotzdem sinnvoll gelöst. Vielleicht findet aber auch ein genialer Tüftler für eine Version II der Vivicap eine Alternativlösung.

Fazit

Aufgrund der einfachen Handhabung, der stimmigen Ergebnisse und des angemessen günstigen Preises gibt es von uns eine uneingeschränkte Empfehlung für die Kaiser Fototechnik Vivicap! Sie ist für alle gängigen Objektivdurchmesser von 52mm – 77mm verfügbar, der Hersteller hilft auf seiner Website bei der Suche nach Vertriebspartnern in der Nähe.

Alternativen

ExpoDisk von Kocktrade, funktioniert nach dem selben Prinzip, Metall-/Glasausführung, ca. 100€

Bezugsquellen und Preise

Die Vivicap ist ab ca. 25€ erhältlich, Kaiser Fototechnik hilft bei der Suche nach einem Vertriebspartner in der Nähe. ENJOYYOURCAMERA.COM hat die Vivicap ebenfalls im Angebot.

Wir danken Kaiser Fototechnik für die Überlassung eines Rezensionsexemplares.