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D700 Das Buch zur Kamera

Posted in Rezensionen (Bücher/Software) von wegus am 3. Sep. 2009

Das D700 Buch hat den Point of Sale Verlag vor ein Problem gestellt. Wohl niemand kauft sich nebenbei eine teure D700 und sucht dann ein Buch, das sie erklärt. Der geneigte D700 Besitzer dürfte sich also schon mit seiner Kamera auskennen. Das Handbuch von Nikon zur Kamera ist derart dick und umfangreich, daß auch an Bedienungsfragen kaum etwas ungelöst bleibt.

D700 - Das Buch zur Kamera

Was also tun, wenn man doch ein D700 Buch herausgeben möchte? Der Point of Sale Verlag hat zum Glück eingesehen, daß ein zweites Benutzerhandbuch nur verlieren kann und daß ein Durchhecheln der Menüs wohl kaum spannend zu lesen ist. Vielmehr hat man sich darauf verlegt, den ambitionierten Amateur, der sich eine gute Kamera geleistet hat, noch mit ausreichend Hintergrundwissen zu versorgen und zu demonstrieren wie das dann mit der D700 Anwendung finden kann.

Den Ansatz, das Buch so auszurichten, muß man ganz klar auf die Plus-Seite schreiben. So ist es ein ungewöhnliches “Kamerabuch” geworden. Die Aufgabe ist gelöst, stellenweise gut, meist sehr ordentlich; es gibt aber auch Schatten! Das Buch ist im positiven Sinne ungewöhnlich, ein Überflieger ist es aber nicht.

Das erste Kapitel beschreibt die gängigen Eigenschaften von Digitalkameras und wie sie zusammenhängen. So werden Bildformate wie DX und FX in einen Kontext gestellt. Lobenswert ist, dass die Autoren darauf hinweisen, dass FX nicht unbedingt ein Vorteil sein muß. Es folgt eine längere Abschweifung zur Auflösung über den gesamten Bildentstehungsprozess vom Sensor über das Bild bis zum Print, der in diesem Buch eigentlich in der epischen Breite unnötig ist. Schöner sind da schon wieder die ehrlichen Worte zu den zahlreichen Fokusmessfeldern und dem Nachteil ihrer Anordnung, zur Bildstabilisierung, dem Autofokus und der Live-View-Funktion. Bei der geschilderten Situation, jemand halte eine D700 mit 70-200 2.8 VR am ausgestrecktem Arm um Live-View zu nutzen mußten wir herzlich lachen!

Das zweite Kapitel liefert fotografische Grundlagen für den Fortgeschrittenen. Nun, hier war man wohl etwas höflich und wollte keinen D700-Käufer Anfänger nennen. Es handet sich um einen soliden Grundkurs den jeder kennen sollte, der eine DSLR in die Hand nimmt, auf eine didaktisch sehr gekonnte Art vermittelt. Da auch der ambitionierte Amateur sicher nicht alle Zusammenhänge immer im Kopf hat, ist das eine sehr lesenswerte Zusammenstellung, die in einem Buch zu einer Kamera als Dreingabe sehr viel Sinn macht – für Anfänger eine wertvolle Fundgrube, die es in dieser Kompaktheit selten gibt. Wer die Zusammenhänge bereits kennt ist trotzdem nicht gelangweilt und nimmt auf der einen oder anderen Seite durchaus noch etwas mit!

Das dritte Kapitel schließlich nimmt sich endlich der Kamera selbst an. In einem Exkurs über zahreiche Fotografie-Situationen geben die Autoren viele Tipps zu möglichen Lösungsansätzen. Insbesondere die Seiten, die dazu dienen, ein paar unschöne Presets der Nikon-Ingenieure sinnvoller einzustellen, sind sehr nützlich. Auch die einzelnen Aspekte über Aufnahmebetriebsarten, Automatiken und Belichtungs- und Schärfemessungen vermitteln dem Halbwissenden immer noch ein paar nützliche Zusatzinformationen. Ganz nebenbei lernt man dabei seine D700 genauer kennen. Die ehrlichen Worte zum P-Modus (P wie Profi ) sowie der 3D Color-Matrix Belichtung sind dabei genau so gelassen ausgesprochen, wie man es tun sollte wenn man fotografieren und nicht in einer Marketing-Abteilung arbeiten möchte.

Das vierte Kapitel hechelt dann durch die gängigen Bildbearbeitungsprogramme. Aussagen a la “Gimp soll können, was Photoshop kann” zeigen nur zu deutlich, dass hier eigentlich ein anderes Thema erreicht ist, welches besser in einem anderen Buch Platz gefunden hätte. Dass sich das durchaus lohnen würde merkt man an der kurzen Bemerkung, die die Autoren zum Thema NEF und 14Bit fallen lassen. Immerhin handelt es sich dabei um eine Vervierfachung der Farbauflösung. Ein Aspekt also, der nicht nur theoretisch verzücken sollte; offenbar fällt das aber, folgt man den Autoren, gar nicht so sehr ins Gewicht – ein Punkt, der sicher selbst ein Kapitel und tiefere Betrachtung verdient hätte, nur eben in einem anderen Buch.

Mehr als 5 Seiten kommen hier zu kaum einem Programm zusammen, wobei der Käufer selbst vermutlich eh nur 1-3 dieser Programme einsetzen wird. Der Rest des letzten Kapitels ist dann für den Buchkäufer schlicht über. Für einen Eindruck reichen diese kurzen Schilderungen eh nicht und der Hinweis, dass es Test-Versionen gibt, wäre ausreichend gewesen. Eine Aufstellung mit Download URLs, einem oder zwei Screenshots und einem kurzen, beschreibenden Absatz hätte uns gefallen.

Das erste Kaiptel ist wie eingangs erwähnt für den Einsteiger sehr wertvoll und hat so seinen Platz in diesem Buch verdient. Kapitel zwei und drei machen aus diesem Buch ein kleines, ausgezeichnetes Unikat! Gerade vom dritten Kapitel hätten wir uns jedoch mehr gewünscht, was aber nicht gegen das Kapitel gerichtet ist – im Gegenteil! Das vierte Kapitel erweckt ein wenig den Eindruck, daß das Buch noch voll werden mußte. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. Unser Eindruck ist durchaus gemischt, aber dennoch positiv! Es hat Spaß gemacht, das Buch zu lesen und wir haben an vielen Stellen an Wissen hinzugewonnen. Das ist mehr als man über so manch anderes Buch sagen kann und für alle Nicht-Profis, die eine D700 ihr Eigen nennen, ist es einen Kauf wert.

Nikon D700 – DAS BUCH ZUR KAMERA
Markus Wägner
ISBN 978-3-925334-91-7
Point of Sale Verlag
Art.Nr 978-3-925334-91-7

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