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Raw-Konverter: Silkypix Developer Studio 3.0

Posted in Rezensionen (Bücher/Software), Software von Weinlamm am 14. Okt. 2007

Silkypix Developer Studio 3.0 aus dem Hause Ichikawa Soft Laboratory ist in deutscher Sprache exklusiv über den Franzis Verlag zu beziehen ( www.franzis.de oder www.silkypix.de ). Ebenfalls sind z.B. Updates über die letztgenannte Seite beziehbar.

Neben seiner Kernfunktionen, der Entwicklung von Raw-Dateien digitaler Kameras, stellt Silkypix 3.0 eine ganze Reihe von professionellen Lösungen bereit, für die ansonsten Spezialsoftware oder aufwendige Bearbeitungsroutinen innerhalb üblicher Bildbearbeitungsprogramme notwendig sind:

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Digitales Shift-Objektiv:
Hiermit können nachträglich Korrekturen der Perspektive vorgenommen werden. Üblicherweise benötigte der Fotograf bislang für perspektivische Entzerrung extrem teure Spezialobjektive ( Shift-Objektive ), die heute für Digitalkameras kaum zu bekommen sind ( für unsere Nikon-Kameras wären dies die sog. PC-Nikkore ).

Entfernung von Farbsäumen:
Chromatische Aberrationen gehören zu den häufigsten Objektivfehlern und treten je nach Hersteller, Typ und Brennweitenbereich höchst differenziert auf. Mit Silkypix korrigieren Sie diese technologisch und herstellungsbedingten Fehler und graden Ihre Objektive in eine höhere Preisklasse auf. Dabei lassen sich die Korrektureinstellungen speichern und wieder abrufen.

Warum RAW-Entwicklung anstatt JPG-Bilder:
Eine der Schlüsselfunktionen digitaler Spiegelreflexkameras und vereinzelt hochwertiger digitaler Bridge-Kameras ist das Bereitstellen der unbehandelten Sensor-Rohdaten, RAW genannt. Fertige JPGs, die üblicherweise exportiert werden, sind komprimierte und verlustbehaftete Interpretationen der Aufnahmedaten durch die interne „Bildverarbeitung“ des jeweiligen Kameramodells. RAW-Daten bieten ungleich mehr Informationen und Einstellungsmöglichkeiten als fertige Bilder. Mit dem digitalen Fotolabor Silkypix Developer Studio 3.0 holt man im Regelfall ein sichtbares Mehr an Qualität aus seiner Kamera und seinen Objektiven heraus.

Ausschließlich bei der Entwicklung der RAW-Daten kann der Fotograf seine kreative Intention nach seinen eigenen Vorstellungen umsetzen und ist nicht an festgelegte Standardprozesse des Computers der Kamera gebunden.

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Die Vorteile von Silkypix:

Silkypix verändert nie die Originaldateien - diese bleiben für die spätere Verwendung mit neuen Kreativideen stets erhalten.

Entwicklungsparameter können zusammengefasst und als individuelle Vorliebe abgespeichert werden.

Belichtungskontrolle: Da direkt eingefangene Licht-information vom Sensor ausgewertet wird, kann die korrekte Belichtung nachjustiert werden – viel genauer als zum Zeitpunkt der Belichtung durch die Kamera. Damit können sogar Fehlbelichtungen noch gerettet werden.

Weissabgleich: Jedes Weiss ist anders – Weiss ist nicht gleich Weiss. Man kann den Weissabgleich individuell für jedes Motiv oder vordefiniert für alle Motive vor nehmen. Und mit der Einstellung des korrekten Weiss erhält man auch alle anderen Farben in der korrekte Relation. Einen einmal gewählten Weissabgleich kann man als Vorliebe ab speichern ( z.B. wenn man weiss, dass sich bestimmte fotografische Situationen wiederholen ).

Kontrast: Besonders weich oder lieber knackig – mit Silkypix entscheidet jeder selbst.

Sättigung: Zarte Töne oder satte Farben – keine Farbe oder grell überdrehte Farbe.

Objektivkorrektur: Linsen können verzeichnen oder vignettieren – Silkypix kann auch diese kaum sichtbaren Fehler beheben.

Bilddrehung: Hochformataufnahmen drehen: Die Kamera leicht schief gehalten? – Silkypix richtet mithilfe präziser Rasterlinien das Motiv aus.

Beschnitt: Mit Silkypix lässt sich der kreativ richtige Motivausschnitt wählen, nicht den durch den Sensor vorgegebenen.

Entzerrung stürzender Linien – das kann nur ein Shift-Objektiv oder Silkypix mit Digitalshift.

Nachschärfen: Präzise Detailschärfe, wenn gewünscht – Silkypix bietet einen Unscharf-maskieren-Filter als letzte Stufe vor der Ausgabe.

Ausgabe: JPG für einfache Ablage oder Webseiten, TIFF für zusätzliche Weiterverarbeitung oder Druck. Silkypix liefert druckreife Endergebnisse – auch ohne nachgeschaltetes Bildbearbeitungsprogramm.

Unterstützte Kameras:

Da wir uns im Nikonpoint mit Nikon-Kameras beschäftigen, sei angemerkt, dass von Nikon folgende Kameras unterstütz werden: D1 / D1X / D1H / D2H / D2Hs / D2X / D2Xs / D40 / D40X / D50 / D70 / D70s / D80 / D100 / D200 sowie die Coolpixe 8700 / 5400 / 8400 / 8800.
Von Fujifilm sind dies die: FinePix S2Pro / S3Pro / S5Pro
Von Kodak werden unterstützt: Pro SLR/n / Pro SLR/c / Pro 14/n / Pro 14/nx

Wer noch weitere Kameramarken sein eigen nennt, muss auf der Herstellerseite nach schlagen oder aber den Umweg über das allgemeine Adobe-DNG-Format gehen. Dieses wird von der Software nämlich ebenfalls unterstützt.

 

Farbmanagment:

Der Teil, der wohl alle mehr oder weniger profimäßigen Fotografen ganz besonders interessieren dürfte und auch bei uns zuletzt im Forum einen immer wichtigeren Stellenwert ein genommen hat: kann das Programm mit Farbmangment umgehen? – Und hier ist die Antwort ganz klar: Ja!

Man kann unter den Anzeige-Einstellungen sowohl das Farbmanagment für den eigenen Monitor einschalten als auch ( z.B. für die Ausbelichtung bei diversen Bilderdiensten ) ICC-Profile einbinden. Eine Eigenschaft des Programms, die gerade aufgrund des Status als Stand-Alone-Raw-Konverters überzeugt und auch für eine vernünftige Bearbeitungsmöglichkeit sorgen sollte..

Welche Bilder können mit Silkypix bearbeitet werden?

Grundsätzlich ist Silkypix zum Bearbeiten von Raw-Dateien gedacht.

Zum Bearbeiten von Bilddaten kann man entweder ganze Verzeichnisse ( hier werden dann tatsächlich auch nur Raw-Dateien in der Vorschau angezeigt ) oder aber einzelne Bilder öffnen. Und über diesen Schritt lassen sich dann “sogar” jpg-Dateien zur nachträglichen Veränderung des Weissabgleichs bewegen.

In einigen Fällen mag auch dies als eine sinnvolle Möglichkeit erscheinen ( normalerweise bekommt man einen versauten Weissabgleich in jpg nur über die umständliche Korrektur verschiedenster Farbregler hin ); schließlich ist diese Veränderung von jpg-Dateien nicht so ohne weiteres in anderen Programmen möglich.

Es sollte aber beachtet werden, dass ein Mehr an Informationen sich natürlich aus den Raw-Daten, für die ja Silkypix schließlich gedacht ist, gewinnen lässt. Insoweit sollte eigentlich die Bearbeitung aus den Raw-Dateien ( bei unseren Nikon-Kameras also den nefs ) erfolgen.

öffnen WB_jpg_falsch WB_jpg_korrekt

Anzeigeeinstellungen in Silkypix

Bevor man anfängt mit Silkypix effektiv zu arbeiten, muss man sich erst einmal seine gewünschte Ansicht einstellen. Hier gibt es folgende Möglichkeiten:

- Vorschaubild-Modus ( alle Bilder nur in klein )

- Ganzansicht

- Kombinations-Modus

Je nach dem, was man gerade machen will, bietet es sich an zwischen diesen Modi zu wechseln. Ggf. bietet es sich bei der “Grundeinrichtung” auch direkt auf der linken Seite oft gebrauchte Funktionen parat zu legen.

Anzeige_01 Anzeige_02 Anzeige_03 Anzeige_04 Anzeige_05

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Nun die Module im einzelnen:

Module.

Die beiden Module Histogramm und Exif werden nicht besprochen, da es sich hier lediglich um reine Anzeigen handelt und man in diesem Bereich nichts einstellen kann.

Schärfung von Bildern:

Silkypix stellt zwei Funktionen zur Anpassung der Schärfe zur Verfügung. Zum einen können man die Einstellung Schärfung nebst zugehörigen Schiebereglern Kanten betonen, Details betonen und Kantenfehler verwenden ( dies passiert am einfachsten über die Regler auf der linken Seite ).

Zum anderen bietet die Software auch die Unschärfe-Maske an. Damit kann man die entwickelten Aufnahmen vor dem Speichern bearbeiten.
Die Funktion Schärfung wirkt sich auf das komplette Bild aus, so dass Sie die Einstellungen idealerweise bei einem Vergrößerungsfaktor von 100 % und mehr anpassen sollten.
Die Funktion Unschärfe-Maske wirkt sich ebenfalls auf das komplette Bild aus. Allerdings legen man die Einstellungen erst vor dem Speichern der Datei fest ( direkt im Fenster der Entwicklung ). Hier kann man für das Sehen des Ergebnisses den Schalter “Vorschau” anklicken; im Anschluss hieran wird ein kleines Vorschaufenster eingeblendet ( in diesem kann man dann wieder ganz bequem in das Bild einzoomen ).
Schärfung_01 Schärfung_02

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Feineinstellung Lichter:

Eines der Features in diesem Bereich heißt “Dynamikbereich”. Hier kann man den Dynamikbereich von Bildbereichen anpassen ( bis zu 6 Lichtwerten ). Hierdurch wirken die Bilder weicher und auch in begrenztem Umfang sind tatsächlich in den Bildern mehr Details sichtbar.

Man sollte allerdings, auch als Besitzer einer Fuji S3, nicht den erweiterten Dynamikumfang der S- und R-Pixel erwarten. Dies kann die vorliegende Software nicht in vollem Umfang schaffen.

Lichter_01 Lichter_02 Lichter_03

Drehung / stürzende Linien:

Hinter dem Bereich “stürzende Linien” verbirgt sich das versproche “digitale Shift-Objektiv”. Im Gegensatz zu einem echten Shift-Objektiv kann man hier jedoch gleichzeitig sowohl horizontal als auch vertikal “shiften”, also die Verschiebungen vor nehmen. Beim Anklicken und Ziehen der Regler werden einem vom Programm automatisch Hilfslinien eingeblendet, die einem helfen sollen, die gewünschte Ausrichtung hin zu bekommen.

Vollständig ersetzen kann diese Funktion natürlich ein Shift-Objektiv nicht. Hier hat man bei einem echten Shift-Objektiv einfach den Vorteil, direkt durch den Sucher sehen zu können, was passiert; die Software hingegen beschneidet beim späteren Bild durch die Verzerrung bedingt noch die Ränder, so dass nicht mehr das komplette Bild zur Verfügung steht. Dies muss man bei der Aufnahme bereits beachten, da ansonsten passieren kann, dass wichtige Bildinformationen “abgeschnitten” werden können oder aber das Bild nicht vollständig in der gewünschten Weise bearbeitet werden kann.

Im ersten Schritt bearbeitet man hier eventuelle horizontale Fehler bei der Aufnahme ( in unserem Beispiel hier Drehung -1,90 ).

Dann wird im nächsten Schritt so lange vertikale Perspektive gedreht, bis es passt. In unserem Fall -90.

Über die Einstellung -Ansicht -Beschnitt lässt sich dann auch noch die automatisch bearbeitete Perspektive ( meistens recht eng beschnitten ) ändern. Allerdings muss man hierfür in Kauf nehmen, dass einem dann im “fertigen” Bild ( hier links und rechts unten ) Teile fehlen, die man dann in einem Bildbearbeitungsprogramm “ergänzen” sollte. Oder aber man nimmt den engeren Beschnitt in Kauf, oder hat bereits beim Fotografieren an diesen späteren, engen, Beschnitt gedacht.smiley_blinzel smiley_Ausrufezeichen

Linien_01 Linien_02 Linien_03 Linien_04 Linien_05 Linien_06

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Weissabgleich:

Das Modul für den Weissabgleich ist sehr gut zu bedienen. Im Regelfall werden die besten Ergebnisse im Hinblick auf einer “verunglückten” Weissabgleich mit dem Originalprogramm ( bei Nikon ist dies Capture oder Capture NX ) erzielt. Aber das Tool für den Weissabgleich in Silkypix ist diesem absolut ebenwürdig. Auch der automatische Weissabgleich auf eine farbige Fläche ( ohne Verwendung einer Graukarte – was natürlich noch besser wäre ) funktioniert hervorragend!

Auch für Nutzer mehrerer Kameras ( Nikon, Fuji und Kodak ) lassen sich so Einstellungen relativ leicht für alle der 3 Kameras vornehmen. Eine Prima Sache, wenn man sich dran begibt IR-Aufnahmen zu machen. Bei diesen sollte man zwar nach Möglichkeit von Anfang an einen manuellen Weissabgleich auf z.B. grüne Flächen machen. Hat man dies aber mal nicht gemacht ( oder nicht machen können ), so ist hier Silkypix in der Lage einen entsprechend guten Weissabgleich vorzunehmen. Einer der Vorzüge eines separaten Raw-Konverters gegenüber einem in eine Bildbearbeitung integrierten Raw-Konverters.

Im Rahmen der Korrektur des Weissabgleichs lassen sich auch direkt eventuelle Farbkorrekturen ( meist grün oder lila ) mit korrgieren. Aber auch andere Einstellungen sind möglich sowohl manuell als auch mit der Automatik. Weissabgleich_01 Weissabgleich_02

Entwicklungs-Tool:

Eigenheit eines Raw-Konverters ist, das man zunächst ein Bild im Raw-Format lädt und dann sämtliche gewünschte Einstellungen vornimmt ( hier: Histogramm, Exifs, Weissabgleich, Feineinstellung der Lichter, Feineinstellung der Farbe, Feineinstellung Objektive, Drehung / Stürzende Linien ).

Um dann ein Bild im z.B. jpg-Format hieraus zu erhalten, muss man das Bild im Anschluss dann “entwickeln”. Wie oben bereits dar gestellt, kann hier noch eine Schärfung ( unscharf maskieren ) vor genommen werden.

Aber es gibt auch die Möglichkeit z.B. vor genommen Entwicklungseinstellungen auf ein oder mehrere andere Bilder zu übertragen. Dies geht über die Menüpunkte im Bearbeiten-Menü.

Das eigentliche Entwicklungstool erreicht man über den über den entsprechenden Menüpunkt oder aber kann die Einstellungen über das Kontexmenü der rechten Maustaste auf rufen.

Einstellungen_01 Einstellungen_02 Einstellungen_03 Einstellungen_04

Tastatur-Kürzel:

Voreingestellt gibt es jede Menge an sog. Short-Cuts, mit denen man Funktionen recht schnell auf “Knopfdruck” ausführen lassen kann. Das gute an dieser Funktion ist, dass man dies Short-Cuts sich insoweit anpassen kann, wie man das möchte. Man kann also sämtliche Befehle auf die jeweils gewünschten Tasten legen.

Speichern von Einstellungen:

Alle im Raw-Konverter vorgenommenen Einstellungen werden nicht im Bild selbst gespeichert. Silkypix legt einen eigenen Ordner an, in dem die jeweiligen Einstellungen automatisch abgespeichert werden. So macht es z.B. nichts, wenn man während der Arbeit an einem Bild einfach ein anderes öffnet und dieses bearbeitet. Sobald man das vorherige wieder öffnet, stehen einem alle zuvor gemachten Einstellungen wieder zur Verfügung.

Entwicklungs-Einstellungen auf andere Bilder transferieren ( Stapelverarbeitung ):

Gerade bei Serienbildern ( z.B. Studioaufnahmen oder sonstigen Anlässen ) ist es sehr oft so, dass die gleiche Einstellung auf mehrere Bilder angewendet werden kann bzw. zum effektiven Arbeiten sollte.

In Silkypix kann man dies recht komfortabel über die rechte Maustaste machen ( wenn man sich im Vorschaubild-Modus befindet ). Hier werden einmal die Entwicklungseinstellungen des fertige bearbeiteten Bildes kopiert. Im Anschluss markiert man das nächste zu bearbeitende Bild und fügt dort über den Klick auf die rechte Maustaste die Einstellungen wieder ein. Sofern man an diesem Bild bereits andere Einstellungen vorgenommen hat, wird man gefragt, ob man nur Ergänzungen einfügen will oder alternativ kann man sich die jeweiligen Einstellungen auswählen, die man einfügen will. Selbstverständlich ist dieses Einfügen auch für eine ganze Reihe von Bildern auf einmal möglich.

Noch komfortabler wäre es nur dann, wenn man von Anfang an die Entwicklungseinstellungen im Ursprungsbild die Einstellungen aussuchen kann, die man später in die nächsten einfügen will.

Auswahl_01 Auswahl_02

Fazit:

Die Konkurrenz im Bereich der Raw-Konverter ist groß. Gerade für “uns” liefert die Software aus dem Hause Nikon Ergebnisse, die so einfach mit keinem anderen Konverter zu schaffen sind. Aber gerade für Leute, die neben einer Nikon auch ggf. noch Gehäuse aus dem Hause Fuji oder Kodak ihr eigen nennen und für all diese Typen einen einzigen Raw-Konverter nutzen möchten, bietet sich der Raw-Konverter “Silkypix Developer Studio 3.0″ an. Darüber hinaus hat er auch einige Funktionen, die bei “unserem” Konverter nicht vorhanden sind.

Kann man also ohne schlechtes Gewissen kaufen, auch wenn man bereits einen Raw-Konverter sein eigen nennt!