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Belichtungsmessung

Posted in Coolpix, DSLR, Fotografie allgemein von Stefan M am 28. Aug. 2007

Neben der Komposition bzw. Gestaltung sind die technischen Größen “Schärfe” (oder auch gezielte Unschärfe) und “Belichtung” wichtige Bausteine auf dem Weg zu einem guten Foto. Bezüglich der Belichtung ist es für den Fotograf unerläßlich, genau zu wissen, was die Kamera in welchen Situationen wie mißt, um nicht dem Zufall beim Bildergebnis ausgeliefert zu sein. Mit der 3D-Color-Matrix II-, der mittenbetonten und der Spot-Messung stehen drei Werkzeuge zur Verfügung, mit denen man alle Lichtsituationen meistern kann.

matrix.gif Die Matrix-Messung (3D-Color-Matrix II Messung)

Nach vielen Jahren der Entwicklung hat sich die früher in Teilen oftmals zu Recht kritisierte Matrixmessung mittlerweile zu einem ernsthaft nutzbaren Allrounder gemausert. Mit vielen über das Sucherfeld verteilten Sensoren mißt die Matrixmessung die Helligkeitsverteilung im Bildausschnitt und versucht, daraus mit Hilfe einer intern abgelegten “Motivdatenbank” das Motiv zu erkennen und die richtige Belichtung abzuleiten.

Die mittlerweile in allen neueren Nikon SLRs eingesetzte 3D-Color-Matrix II Messung erfaßt neben den Helligkeitswerten auch noch die Farbwerte und bei Verwendung von G- oder D-Nikkoren die Entfernung im eingestellten Fokusmeßfeld. So kann sie noch genauer einen Rückschluß auf das Motiv und die vom Anwender erwartete Belichtung ziehen. Die 3D-Color-Matrix II Messung funktioniert so zuverlässig, daß man sich bei dem weitaus größten Teil der Motive auf eine korrekte Belichtung verlassen kann oder aber nur geringfügige Korrekturen im RAW-Konverter (z.B. Nikon NX) nötig werden.

Allerdings gibt es auch Situationen, in denen die 3D-Color-Matrix II Messung nicht die erste Wahl ist. Beispielsweise muß die Automatik bei Motiven mit großem Helligkeitsunterschied zur Umgebung erraten, was im Motiv des Fotografen wohl richtig belichtet sein soll und entscheidet sich dann für eine Variante, die genau die falsche sein kann. Desweiteren benötigt man z.B. zum Stitchen von Panoramen mehrere exakt gleich belichtete Einzelbilder. Für diese Fälle sind andere Belichtungsmeßarten vorzuziehen.

Nachfolgend ein Beispiel, das verdeutlicht, in welchen Situationen die 3D-Color-Matrix II Messung nicht wissen kann, was der Fotograf zeigen will. Im dunklen Bild hat sich die Matrixmessung entschieden, die extrem helle Landschaft draußen korrekt zu belichten, das helle Bild zeigt hingegen, daß es genauso gut Intention des Fotografen sein könnte, die Belichtung auf den Innenraum abzustimmen.

matrix_dunkel.jpg matrix_hell.jpg

mittenbetont.gif Die mittenbetonte Messung

Bei der mittenbetonten Messung mißt der Belichtungsmesser die Lichtverteilung in allen Bildbereichen, bewertet das Bildzentrum jedoch höher. Der Schwerpunkt der Messung liegt innerhalb eines ca. 8mm großen Kreises im Bildzentrum und entspricht somit der kreisförmigen Suchermarkierung.

Der Durchmesser dieses kreisförmigen Meßbereiches läßt sich bei den meisten Nikon-DSLRs auf 6/8/10/13mm und somit auf die höher zu gewichtende Motivgröße anpassen, um deren gesamten Kontrastumfang vollständig erfassen zu können.

Im Gegensatz zur 3D-Color-Matrix II Messung findet kein Abgleich mit Referenzsituationen und keine Berücksichtigung von Abstandsinformationen bei D-/G- Nikkoren statt.

Diese Meßmethode ist ideal für die Portraitfotografie.

spot.gif Die Spotmessung

Universell einsetzbar ist die Spotmessung. Es gibt keine Lichtsituation, die damit nicht zu beherrschen wäre. Allerdings erfordert der Einsatz der Spotmessung stets das Mitdenken des Fotografen! Bei der Spotmessung kann die Nikon-DSLR sogar in Teilen einen Handbelichtungsmesser ersetzen.

Unterschieden werden zwei Arten der Messung. Die Kamera führt eine Objektmessung durch, bei der das vom Motiv (Objekt) reflektierte Licht gemessen wird. Handbelichtungsmesser erlauben zusätzlich noch die Lichtmessung, die das auf das Motiv einfallende Licht mißt und somit eine genauere Belichtungsmessung ermöglicht, da die unterschiedlichen Reflektionseigenschaften mehrerer Objekte in einem Motiv entfallen.

Ein weiterer Vorteil der Spotmessung ist die Möglichkeit, vorab den Motivkonstrast zu ermitteln. So kann der Fotograf schon vor der Aufnahme durch Anmessen der Lichter und Schatten erkennen, ob alle Helligkeitsstufen im Bild darstellbar sind und sich ggf. entscheiden, das Bild in den Schatten oder Lichtern gezielt zu beschneiden oder durch unterschiedlich belichtete Mehrfachaufnahmen den Dynamikbereich mittles EBV zu vergrößern (DRI/HDR).

Das Ergebnis der Spotmessung alleine verhilft jedoch noch nicht zu einer korrekten Belichtung. Gängige Belichtungsmesser sind auf sogenanntes Mittelgrau eingestellt. Dieses Mittelgrau reflektiert 18% des einfallenden Lichtes. Somit ermittelt der Hand- und Spotbelichtungsmesser für alles, was damit angemessen wird, diejenige Kombination aus Zeit und Blende, die das angemessene Objekt mittelgrau erscheinen läßt – ganz egal, ob schwarzer Asphalt oder weiße Wand. Der Fotograf muß nun aus diesem Meßergebnis die für sein Motiv geeigneten Rückschlüsse ziehen und das Meßergebnis anpassen. Hierzu ist die Kenntnis des von Ansel Adams entwickelten Zonensystems unerläßlich, weil die gemessene Belichtung “in die richtige Zone” platziert werden muß.

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Das Zonensystem von Ansel Adams
In den 1930er Jahren teilte Ansel Adams den auf Ausbelichtungen darstellbaren Kontrastumfang eines Fotos in 11 Stufen ein, wobei der Unterschied zwischen den benachbarten Stufen immer genau 1 Blende beträgt.

Zonensystem

Dabei entspricht die Zone “0″ absolutem Schwarz und die Zone “X” Papierweiß, ausbelichtbar sind demnach die Zonen I bis IX und die Zonen II-VIII sind ausreichend durchgezeichnet. Die Charakteristik der einzelnen Zonen:

  • Zone 0: Absolutes Schwarz, keinerlei Zeichnung mehr in den Schatten
  • Zone I: Schwarz, fast ohne Zeichnung
  • Zone II: Schwarz, mit Zeichnung
  • Zone III: helles Schwarz
  • Zone IV: dunkles Grau
  • Zone V: Neutralgrau (Mittelgrau) mit 18% Reflektion, Meßergebnis des Belichtungsmessers
  • Zone VI: helles Grau
  • Zone VII: dunkles Weiß
  • Zone VIII: Weiß, mit Zeichnung
  • Zone IX: Weiß, fast ohne Zeichnung
  • Zone X: Papierweiß, keinerlei Zeichnung mehr in den Lichtern

Folgende Überlegungen sind demnach bei jeder Belichtungsmessung mit dem Spot- oder Handbelichtungsmesser nötig:

  1. Was messe ich?
  2. Welche Helligkeit hat das Motiv in natura?
  3. In welche Zone muß die Messung also plaziert werden?
  4. Um wieviel muß demnach die Belichtung korrigiert werden?

Beispiel 1: Weiße Rauhfasertapete, von der noch Zeichnung sichtbar sein soll

Mit der Spotmessung ermittelt die D200 bei Blende f/5,6 als Belichtungszeit beispielsweise 1/30 Sekunde. Mit dieser Zeit-/Blendenkombination sieht die Aufnahme der weißen Wand wie zu erwarten mittelgrau aus und entspricht der Zone V des Zonensystems.

Spotmessung weiße Wand

Eigentlich ist die Tapete aber reinweiß gestrichen und im Bild sollen auch noch Rauhfaserstrukturen erkennbar sein. Laut Zonensystem wäre also Zone VIII “Weiß mit Zeichnung” die richtige. Das Verschieben der Messung von Zone V in Zone VIII entspricht einer Belichtungskorrektur von +3 Blenden, die nur über die Blende, nur über die Zeit oder in Kombination von beiden realisiert werden kann.

zonensystem_beispiel.gif

Mögliche Kombinationen wären also unter Beibehaltung der Zeit von 1/30s das Öffnen der Blende auf f/2 oder unter Beibehaltung der Blende f/5,6 eine Erhöhung der Verschlußzeit auf 1/4s oder eine neue Kombination wie z.B. f/2,8 und 1/15s. Nach der Belichtungskorrektur um +3 sieht die weiße Wand so aus:

weiße Wand Zone VIII

Beispiel 2: Schwarzer Milchbehälter

Bei diesem Beispiel handelt es sich um einen schwarzen Milchbehälter, der in schwarz noch schwach sichtbar einen Kreis mit Firmennamen aufgedruckt hat und somit in Zone I “Schwarz, fast ohne Zeichnung” zu platzieren wäre. Die Spot-Belichtungsmessung ermittelt beispielsweise eine Zeit von 1/30s bei f/5,6 und liefert als Ergebnis einen häßlich mittelgrauen Milchbehälter:

milch_v.jpg

Nach erfolgter Korrektur der Belichtung um -4 Blenden (Zone V -> Zone I) erhält man den gewünschten schwarzen Milchbehälter mit gerade noch lesbarem Aufdruck:

milch_i.jpg

Beispiel 3: Die Verteilung der Zonen im Bild:

Im nachfolgenden Beispiel wird die Anwendung des Zonensystem in einem Landschaftsmotiv verdeutlicht. Die Szene wurde mit einer D2X aufgenommen und die vorhandenen hohen Kontraste mußten auf die mit der D2X darstellbaren Zonen 0 bis IX verteilt werden. In diesem Fall ist die Zone IX bereits der Bereich mit absolutem Weiß ohne Zeichnung.

zonen_beispiel.jpg

Wir danken Dirk Wenzel für die Freigabe dieses Bildes!

Anmerkung zum Zonensystem:
Es geht darum, einmal das System zu verstehen. Danach kann man es auch an den wahren Dynamikumfang der eigenen Kamera anpassen. Weiß man, daß der Belichtungsmesser Mittelgrau mißt und kennt zudem die Zahl der Blenden, die Weiß bzw. Schwarz ohne Zeichnung von Mittelgrau trennen, so kann man sich selbst ein individuelles Zonensystem mit 8, mit 9 oder auch mit 12 Blenden Kontrastumfang herleiten und entsprechend die Belichtung anpassen.
Ebenso kann eine Betrachtung auf Grundlage des Ausgabemediums sinnvoll sein. Fotopapier kann z.B. lediglich ca. 6 Blenden wiedergeben und somit ergibt sich auf Grundlage der Spotmessung ein max. möglicher Wiedergabekontrast von +/-2,5 Blenden mit Mittelgrau als Zentrum!

Downloadtipp: Die Zonensystem-Rechenscheibe als PDF zum Zusammenbasteln
(Quelle: Der Fotolehrgang im Internet von Tom Striewisch, http://www.fotolehrgang.de/)