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“Für Web speichern”… Der scheinbar unbekannte Dialog in PS(CS2)…

Posted in Bildbearbeitung, Farbmanagement, Software von alexis_sorbas am 22. Jul. 2007

… unter besonderer Berücksichtigung von Farbmanagement und speziell für Fotografen…

In Photoshop gibt es mehrere Dialoge, die sich nicht sofort jedem Anwender erschliessen…
Einer davon ist “Für Web speichern”… Diese “historisch” nicht in PS vorhandene Funktion ist seit Version CS (8…) über “Adobe Imageready” als gemeinsames Plugin in Photoshop “gewandert”. Da der Dialog ob seiner teilweise recht “versteckten” Optionen schnell zu Frust (durch Unverständnis…) führen kann, hier der Versuch einer Erklärung desselben, unter spezieller Berücksichtigung von Farbmanagement…

Ein wichtiger Hinweis zuerst:
Ich will in diesem Artikel ausschließlich die Vorgehensweise in diesem Dialog unter Verwendung von FM zeigen… die anderen Funktionen und Formate, die dieser Dialog anbietet (Slices, HTML /XHTML Generation, GIF, PNG,… Farbpaletten…) sind für fotografische Anwendungen eher uninteressant. Wer die benötigt, möge das Handbuch oder eine andere Quelle bemühen!

Dieser Dialog findet sich im Menü unter “Datei/Für Web speichern…”. Wie schon in der Einleitung geschrieben, möchte ich diese Funktion unter spezieller Berücksichtigung von FM demonstrieren. Dazu habe ich als “Testbild” das Monitor-Testbild von Gisbert benutzt, der uns dieses netterweise fürs Forum zur Verfügung gestellt hat. An dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür.

Testbild
Abb. 1: Das “Testbild”

Dieses Bild liegt in sRGB vor, und in Photoshop (Farbeinstellungen) sollte “sRGBIEC61966″ als “Arbeitsfarbraum” eingestellt sein. Und für den “Graustufenarbeitsfarbraum” sollte “Gray Gamma 2.2″ eingestellt sein… Die übrigen Einstellungen sehen dann so aus:

Farbeinstellungen PSCS2/Mac
Abb. 2: Die “Farbeinstellungen” in Photoshop

Dieses Bild soll nun in Photoshop für die Wiedergabe mit FM für das Internet aufbereitet werden.
Sofern im Internet überhaupt sowas wie Farbmanagement existiert, setzt es einerseits farbkalibrierte Monitore sowie “Farbmanagement-fähige” Browser voraus… beides trifft wohl nur auf eine Minderheit der Web-Benutzer zu… Da die “Zielgruppe” aber eine “Spezielle” ist, macht es durchaus Sinn, besonders bei Veröffentlichungen von Fotos, diese zumindest “FM-gerecht” zur Verfügung zu stellen.

Um das zu ermöglichen, sollten wir dafür Sorge tragen, das die Bilder (Fotos), in aller Regel als JPEG-Dateien, mit Farbprofilen veröffentlicht werden.

Prinzipiell bietet es sich als “kleinsten gemeinsamen Nenner” an, für farbige RGB Dateien “sRGBIEC61966″ als Profil mitzugeben, und für SW / Graustufen- Bilder “Gray Gamma 2.2″. Beide Arbeitsfarbräume werden mit Photoshop zusammen installiert, sollten also bei jedem (Bildproduzenten) vorhanden sein. Auch mit der Nikon-Software werden inhaltlich identische Profile mitgeliefert, die aber dummerweise “falsch” benannt sind… (Nikon sRGB, bzw. Nikon Gray Gamma… warum auch immer…).

Das in Photoshop geöffnete Bild zeigt uns in der Statuszeile unten im Fenster sein Farbprofil, soweit wir das im Pop-Up unten im Fenster so eingestellt haben… ich habe das hier mal gemacht, damit man das immer gleich sehen kann.

Farbraum-Anzeige
Abb. 3: Anzeige des Arbeitsfarbraumes in der Statuszeile unten im Fenster. Wenn diese nicht sichtbar/auf eine andere Darstellung geschaltet ist, kann man sich den Farbraum auch in der Infopalette anzeigen lassen.

Infopalette Farbraum
Abb. 4: Infopalette mit Farbraumanzeige.

Um dieses Bild nun per “Für Web speichern…” zu bearbeiten, müssen wir natürlich die besagte Funktion aufrufen… Sie findet sich im Menü unter “Datei/Für Web speichern…”.
Nach Aufruf dieser Funktion erscheint dann eine Dialogbox, die je nach zuletzt benutzter Einstellung sehr unterschiedlich aussehen kann, und zudem über zahlreiche Optionen verfügt. Bei falschen/ “unpassenden” Einstellungen entstehen beim “unbedarften” Benutzer schnell “Frusteffekte”. Ich habe öfters, auch zuletzt beim FM-Workshop, gehört, das die Vorschau in diesem Dialog nicht mit der Darstellung des Bildes in Photoshop selbst und erst recht nicht mit der Zieldarstellung fürs Web übereinstimme… Nun, das liegt einzig und allein an falschen Einstellungen in diesem Dialog…

FWS_OPT
Abb. 5: Dies ist das Ausklappmenü für die Optionen der gerade aktiven Vorschau… und die aktive Vorschau ist diejenige, die mit der System-Auswahlfarbe umrandet ist, hier im Beispiel ist das Gelb… Ich habe allerdings auf diversen Rechnern gesehen, das die dort eingestellte Farbe ein nahezu “unsichtbares” Grau war… dann ist kaum noch zu erkennen, welche Vorschau die gerade aktive ist… das ist schon ein Punkt für “unerwartete Ergebnisse” und für “Frusteffekte”… Zu weiterer Irritation kommt noch hinzu, das eine Vielzahl von “Layout”-Varianten möglich ist.
FWS_STD
(Durch anklicken Vergrößern…)
Abb. 6: Der Dialog “Für Web speichern..”. In der “Standard” Ansicht “2-fach” werden die Quelldatei links und die Zieldatei rechts, sowie ganz rechts die Optionen für die Zieldatei dargestellt.

Sehen wir uns diesen Dialog mal in seiner “Grundeinstellung” an. Wir sehen auf der linken Seite das Ausgangsbild (Original), so wie es auch in Photoshop dargestellt wird. Auf der rechten Seite wird das “Web-Ziel” (Optimiert), das durch die Optionen ganz rechts gesteuert wird, angezeigt. Zwischen der Vorschau für die Web-Ausgabe und den Einstellungen dazu, befindet sich oben ein unscheinbares “Knöpfchen”.

Damit die Quelldatei in “Für Web speichern” ebenso dargestellt wird wie in Photoshop selbst, ist es erforderlich, für die “Original”- Vorschau diejenigen Optionen einzustellen, die Photoshop für die Datei gerade benutzt… und bei Verwendung von FM heißt das, das auch in diesem Dialog FM verwendet werden soll… folglich ist das so einzustellen… Das ist in der Vorschau “Original” die Option “Dokument-Farbprofil verwenden”. Da wir das Web-Ziel (… die “Optimiert”- Vorschau) ebenfalls mit sRGB Profil ausstatten wollen, und das Ergebnis in einem “FM-fähigen” Browser in der “optimiert” Version simulieren (diese Vorschau kann man als eine Art “Softproof fürs Web” ansehen), muss konsequenterweise auch hier “Dokument-Farbprofil verwenden” eingestellt sein… Zumindest auf dem Mac mit seinen konsequent FM-fähigen “Basis-Applikationen” ist die Darstellung in PS, in “Vorschau”, in “Safari” und auch im “Für Web speichern” Dialog ABSOLUT IDENTISCH! Voraussetzung ist allerdings, das man zuvor “ICC-Profil” aktiviert hat. Nur dann wird das (RGB) Arbeitsfarbraumprofil in die “Optimiert”-Datei eingebettet.

fws_033.jpg
Abb. 7: Nur mit dieser Option wird das Profi tatsächlich eingebettet…

fertig.jpg
(Durch anklicken Vergrößern…)
Abb. 8: Die “Rohdatei” in PS, in der “Optimiert” Darstellung in “für Web speichern” und die “Optimiert” Version in Safari…

Selbstverständlich lassen sich mit den “Optimiert”-Optionen auch Dateien erzeugen, die kein eingebettetes Farbprofil mehr aufweisen, und es lassen sich die “Auswirkungen” Mac/Winmonitor “simulieren”. Und letztendlich kann man sich die Darstellung ohne FM anzeigen lassen.
Doch es gibt da Probleme, wenn man mit FM arbeitet und z.B. ein SW-Bild (eine Graustufendatei…) per Web speichern will… dann kann man “ICC-Profil” nicht aktivieren… Das liegt daran, das “Für WEB-exportieren” stets RGB Daten als “Input” erwartet…

nixgrau.jpg
Abb. 9: Bei “Graustufen-Dateien” kann man kein Farbprofil “mitgeben”…

Auch wenn das Quellbild ein (Graustufen-Profil) Profil enthielt, geht es in “Für Web speichern… ” verloren. Man sollte SW-Umsetzungen folglich nicht über “Bild/Modus/Graustufen” für Web-Zwecke umwandeln…
Aber die Modusänderung hat in der Regel “destruktive” Veränderungen zur Folge, weshalb ich ein Bild nur sehr selten “endgültig” “entfärbe”. Es bietet sich an, wie schon HIER beschrieben, RGB-Bilder nur “temporär” mittels einer Einstellungsebene mit “Kanalmixer” gezielt in ein “Graustufenbild” umzusetzen. Eine solche “Konstruktion” kann man ohne Probleme als “Input”, samt sRGB-Profil, in “Für Web speichern” verwenden. Ausserdem kann man später immer noch “non-destruktiv” Änderungen/Optimierungen an der Umsetzung vornehmen. Da die Umsetzung unter visueller Kontrolle und unter Einflussnahme des Benutzers erfolgt, ist das die “üblicherweise richtige” Vorgehensweise.

fws_06.jpg
(Durch anklicken Vergrößern…)
Abb. 10: Graustufenumsetzung mittels “Kanalmixer”- Einstellungsebene.

Die Umsetzung über “Bild/Modus/Graustufen” benutzt zur Umsetzung die in den “Farbeinstellungen” gemachten, “erweiterten” Einstellungen… dabei wird beim Moduswechsel das Bild “FM-gerecht” mit dem eingestellten Rendering-Intend und den verwendeten Arbeitsfarbraum-Profilen umgesetzt… Da diese Umsetzung ohne Optionen und ohne Benutzer”nachfrage” erfolgt, bietet es sich im Zweifelsfalle an, diese Umsetzung “manuell” vorzunehmen, natürlich unter Berücksichtigung von FM.
Genau diese Funktion “verbirgt” sich unter “Bearbeiten/In Profil konvertieren…”.

fws_07.jpg
Abb. 11: Der Dialog “In Profil konvertieren…” kann auch zur SW-Umsetzung benutzt werden. Die Optionen sind identisch mit denjenigen aus den “erweiterten” des Farbeinstellungs-Dialogs.

Das Ergebnis ist eine Graustufen-Datei mit dem aktuellen Graustufen Arbeitsfarbraum. Wie schon oben beschrieben, lässt sich aber über “Für Web speichern” kein Graustufenprofil “mitgeben” (… was auch für den Zweck nicht wirklich erforderlich ist..)

Ebendiese Funktion ist auch erforderlich, um Bilder, die in einem anderen Farbraum vorliegen, vor der Anwendung von für “Web speichern” (zumindest temporär) in sRGB umzurechnen.

fws_05.jpg
Abb. 12: Bilder, die in anderen Farbräumen voliegen, kann man mit “In Profil konvertieren”, in sRGB “umrechnen” und das Profil einbetten.

Wer mit anderen Arbeitsfarbräumen (Adobe RGB, ProPhotoRGB…) arbeitet, kann sich die Funktionen “In Profil konvertieren” und “Für Web speichern” in einer Aktion speichern und z.B. per Funktionstaste aufrufen. Nur sollte man dann das umgerechnete Bild nicht speichern… dann wäre der “Ursprungsfarbraum” futsch…
aktion.jpg
Abb. 13: Per Aktion in SRGB konvertieren und für Web speichern…

Die einzige “Kritik”, die mir zu “Für Web speichern” einfällt, ist, das ich mir wünschen würde, im Dialog selbst Bilder aus anderen Farbräumen gleich in sRGB umrechnen zu können. Das erspart das “fehlerträchtige” manuelle Umrechnen… Übrigens: Hat man z.B. Bilder in Adobe RGB, und benutzt “Für Web speichern” mit entsprechenden FM-Optionen, dann wird Adobe RGB auch in die “Optimiert” Version eingebettet. Leider können noch weniger Rezipienten damit was anfangen…

Anmerkung: In CS3 hat Adobe die Möglichkeit eingebaut, das aktuelle Dokumentprofil (sofern es ein RGB-Farbraum ist…) durch sRGB zu “überschreiben”. Das kann man in den Optionen zu den Zieldatei-Einstellungen zusätzlich aktivieren.
Das hat allerdings einen Nachteil: Man kann den Rendering-Intend (vermutlich “perzeptiv”) nicht ändern, das kann u.U. Farbveränderungen in der Ziel-sRGB Datei verursachen, besonders wenn man Quellbilder mit hohem Farbumfang in großen Quellfarbräumen (ProPhotoRGB z.B.) verwendet. In dem Fall bleibt die anzuwendende (und kontrollierbare) Vorgehensweise wie schon für CS2 beschrieben.
Insoweit dann nix Neues in CS3…
srgb_opt.jpg
Abb. 14: In CS3 kann man explizit in sRGB “umrechnen lassen”

Ein paar wichtige Hinweise muß ich allerdings noch anfügen:

– Die Funktion “Für Web exportieren” entfernt die EXIF-Informationen. Wer diese im Bild behalten möchte, muss das per “normalem” “Speichern unter…” “als JPEG” machen.

Als “Anregung” könnte Adobe darüber nachdenken, auf Wunsch die EXIFs zu erhalten… in den “Web-Galerien” geht das ja schießlich auch…

– Ebenso muß man Verfahren, wenn man eine “Graustufen JPEG” mit Profil speichern möchte. Die so erzeugte Datei ist aber deutlich größer (auch durch die EXIF Infos) als die (gleichaussehende!) sRGB Version aus “für Web speichern”.

– In dem Dialog (Für Web …) kann man in den Optionen “Bildgröße” das zu exportierende Bild auch gleich “kleinerrechnen”. Das erübrigt eine vorherige “destruktive” Bildgrößenänderung in PS selbst.

Wer sich intensiver mit “Für Web speichern” beschäftigen will, sollte zuerst das Handbuch befragen…
Auch die Auseinandersetzung mit ImageReady ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant, denn daher “leiht” sich Photoshop diese Funktion.

Ich hoffe, ich konnte etwas zur Klärung dieser doch nicht “unkomplexen” Funktion beitragen.

Alexis Sorbas (Dirk Wenzel)