Workflow zur Bearbeitung von IR-Bildern
Dieser Beitrag stammt von unserem User Oli K. und wurde hier gepostet.
In diesem Beitrag geht es um die Bearbeitung und Verbesserung von IR-Bildern mit Hilfe des Programms Photoshop. Eine Bearbeitung ist aber auch mit anderen Bildbearbeitungsprogrammen möglich.
Mit der hier dargestellten Bearbeitung kommt man im Anschluss zu folgendem Ergebnis ( bei abweichenden Bearbeitungsschritten sind aber noch eine Vielzahl anderer Darstellungsmöglichkeiten gegeben; aber wir wollen zunächst erst einmal den Einstieg in das Thema bekommen ):

Um das Ganze etwas kompakter zu halten, fängt die Beschreibung bei der Bearbeitung in PS an. Hier wird zunächst voraus gesetzt, dass eine IR-Aufnahme gemacht wurde, die korrekt belichtet wurde, dann vielleicht noch in Capture ein Finetuning erhalten hat und zur Bearbeitung geöffnet wurde.
Im Prinzip sieht der Startpunkt für die weitere Bearbeitung wie folgt aus:

Here we go… 
Als aller erstes erfolgt in der Regel zunächst ein Standard-Kanaltausch, um zu schauen, wie die grundsätzlichen Farben im Bild ausschauen und sicherzustellen, dass die Farben schon mal die Basis für die Grundstimmung liefern, die erzielt werden soll. Unter “Standard Kanaltausch” wird hier das Vertauschen der Rot- und Blau werte in den jeweiligen Kanälen verstanden. Sprich:
Rotkanal -> Rot werte: 0%, Grün werte: 0%, Blau werte: 100%
Blaukanal -> Rot werte: 100%, Grün werte: 0%, Blau werte: 0%
Grünkanal -> Rot werte: 0%, Grün werte: 100%, Blau werte: 0%
Damit dieser Kanaltausch sauber funktioniert, ist ein manueller Weißabgleich erforderlich. Wer hier schon kein sauberes Bild hat, sollte sich vielleicht nochmal ein entsprechendes Tutorial anschauen, welches sich mit den Einstellungen in einer Kamera und das Anfertigen der Aufnahme beschäftigt ( hierauf wird unten verwiesen ).
Nach dem Standard-Kanaltausch schaut das Bild wie folgt aus:

Ab hier gibt es keine Norm mehr. Alles Weitere ist im Grunde Geschmacksfrage. Wie bei jedem anderen Bild auch muss man sich an dieser Stelle an schauen, wie das Bild aufgebaut ist, welche Motivbereiche man hervorheben möchte und sich dann überlegen, mit welchen Farben man das erreichen möchte. Bevor man also mit irgendwelchen Farbänderungen beginne, schaut man sich nochmal den Kanalmixer an und versuche die Standard Einstellungen so zu verändern, dass das Bild schonmal einen Touch in die Richtung bekommt, in die ich möchte.
In unserem Fall wurden die Einstellungen wie folgt abgeändert:



Dadurch ändert sich das Aussehen der Aufnahme wie folgt:

Nachdem mit den
Einstellungen also einige verschiedene Einstellungen ausprobiert wurden, entscheidet man sich für eine und schaut sich dabei nochmals das Bild bzw. den Bildaufbau an. Hier wurde sich dazu entschlossen, vier Bereiche unterschiedlich einzufärben. Das Bild allgemein, den Rasen und die Sträucher an den Ufern, die Häuser und das Laub des vorderen Baumes.
Zur Einfärbung muss nicht ausschließlich auf den Kanalmixer zurück gegriffen werden. PS bietet hier – wie so oft – viele verschiedene Möglichkeiten.
Für den Rasen und die Sträucher wurde hier nochmal einen Kanalmixer angelegt und dieser auf ein entsprechendes Grün eingestellt. Über die Justage der Ebenen Deckkraft und der Füllmethode “Weiches Licht” bekamen Rasen und die Sträucher somit ihre Färbung.
Die Kanaleinstellungen für den Rasen sehen wie folgt aus:



Gleiches wird gemacht mit den Häusern, wobei diese monochrom gehalten werden sollen und die Graustufen entsprechend eingestellt werden:

Zuletzt wird mit dem Lasso das Laub des vorderen Baumes mit einer weichen Auswahlkante von 5px selektiert und nochmals die Gradation leicht angepasst. Durch eine zweite Kurve werden nochmal die Tiefen im Laub ein wenig betont.
Die erste Kurve wird mit normaler Füllmethode und 75%iger Deckkraft eingestellt und ist eine ganz leichte S-Kurve.
Die zweite Kurve sieht wie folgt aus:

und verleiht durch ihre 90%ige Deckkraft und der Füllmethode “Weiches Licht” dem Laub den finalen Look. Die Palette dürfte dann im fertigen Bild in etwa so aussehen:

Anschliessend wird eine neue Datei erzeugt, alles auf eine Ebene reduziert, das Bild auf die Zielgröße verkleinert, ein Rahmen drum gemacht, geschärft und langsam dem fertig Ergebnis entgegen gefiebert…
Das war’s
Ergebnis ist die bereits oben gezeigte Aufnahme.
Vielleicht noch ein Hinweis zu den Selektionen und Einstellungen allgemein. Alle hier erwähnten Kanalmixer etc. sind Einstellungsebenen und verändern das Bild selbst nicht.
Der Ersteller gibt an mit einem Wacom Intuos zu arbeiten, und hierbei häufig mit dem Lasso zu selektieren oder die Maskierung mit schwarz oder weiß direkt in die Ebenenmaske zu malen. Durch eine entsprechende Konfiguration des Pinsels (Werkzeugspitze, Deckkraft, Form) wird dies als ziemlich komfortabel empfunden und lässt sich zudem leicht korrigieren. Natürlich ließe sich das auch anders machen. Aber das steht ja jedem selbst frei…
Vielen Dank Oli K. für diese ausführliche Anleitung!
Links zu anderen Themen, die auch die IR-Fotografie betreffen:
