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Filter – welche sind ratsam? Welche sind notwendig?

Posted in Coolpix, DSLR von piedpiper am 2. Nov. 2006

Filter zählen in der analogen und digitalen Fotografie zu den wichtigsten Zubehörartikeln. Die Auswahl ist gross – es gibt nahezu unzählige Filter und Vorsatzlinsen. Nicht alle sind in der Digitalfotografie sinnvoll bzw. nötig. Der nachfolgende Beitrag gibt eine kleine Hilfestellung, welche Filter sinnvoll sind und welchen Zweck sie erfüllen.

Filter werden in der Fotografie vor das Objektiv der Kamera geschraubt (Einschraubfilter z.B. von B&W) oder gesteckt (z.B. Cokin-Filtersystem), um das Bild schon vor dem Auftreffen auf Objektiv und Film oder Bildsensor zu ver�ndern. Dies wird durch die Beschaffenheit und Materialen des Filters bewerkstelligt.

Grunds�tzlich unterscheidet man in der Fotografie zwischen Korrektur- und Effektfiltern. Letztere beinhalten z.B. Weichzeichner oder Sternfilter und werden hier nicht näher beschrieben, da deren Verwendung an Digitalkameras aufgrund der vielfältigen EBV-Möglichkeiten nur selten sinnvoll ist. Wichtiger sind Korrekturfilter, die man einsetzt, um z.B. die Sättigung oder den Kontrast zu beeinflussen, aber auch um Farbstiche beim Einsatz von Kunstlicht auszufiltern.

Die wichtigsten Korrekturfilter sind

  • Polarisationsfilter (auch Polfilter genannt)
  • Neutraldichtefilter (oft auch Grau- oder Schwarzfilter genannt)
  • Verlauffilter (auch Splitfilter genannt)
  • UV- und Skylightfilter
  • Farbfilter bzw. Konversionsfilter und Korrekturfilter (Rot, Grün, Blau, Gelb etc.)
  • Infrarotfilter (werde nachfolgend nicht detailliert beschrieben -> siehe separates Thema IR-Fotografie)

In der Digitalfotografie werden viele Filter kaum mehr eingesetzt, da sowohl Effekte (z.B. Weichzeichnung) als auch Korrekturen (z.B. Farbfilter bei der S/W-Fotografie) nachträglich durch EBV (elektronische Bildverarbeitung) angewendet werden können. Gleichwohl lohnt sich der Einsatz einiger Filterarten noch immer. Diese werden in der Folge vorgestellt.

Polarisationsfilter entfernen (oder verstärken, je nach Einstellung des Polfilters) die Reflexe auf nichtmetallischen Flächen (z.B. Wasser). Mögliche Einsatzgebiete: Fotografieren durch Glasscheiben (ohne störende Reflexe) oder auf den Grund von Wasserläufen (um z.B. Fische zu fotografieren). Bei Landschaftsaufnahmen eingesetzt, verstärken sie das Himmelsblau und den Kontrast zwischen Himmel und Wolken, zudem erscheinen allgemein die Farben intensiver (Reflektionen auf der Oberfläche von Blättern werden unterdrückt � dadurch wird der Sättigungsgrad der Farben erhöht). Nachteil beim Einsatz eines Polfilters: Sie “schlucken” je nach Wirkungsgrad bis zu 1,5 Blenden Licht, so dass man bei geschlossenen Blenden oft in den kritischen Verwacklungszeitenbereich kommt. Trotzdem gehört der Polfilter in jede Fototasche eines Landschafts- und Naturfotografen!

Beispielfoto ohne Polfilter Beispielfoto mit Polfilter

Links ohne, rechts mit Polfilter.
Quelle: www.cokin.com | Fotograf: P. Grateaud

Wasser ohne Polfilter Wasser mit Polfilter _dsc1931-01.jpg _dsc1932-01.jpg

jeweils links ohne, rechts mit Polfilter
Fotografen: Timo Hebebrand (linkes Bildpaar), Malte K. (rechtes Bildpaar)

Neutraldichtefilter (ND-Filter), auch Graufilter genannt, sind in verschiedenen St�rken erhältlich und dienen der Lichtreduktion. Meist werden sie zum erzielen langer Verschlusszeiten oder großer Blendenöffnungen am Tage eingesetzt. Typisches Einsatzgebiet ist die Abbildung von fließendem Wasser, für die man meist Verschlusszeiten jenseits einer Sekunde benötigt. Ein Wert, den man an sonnigen Tagen allein durch abblenden nicht realisieren kann. Eine weitere sinnvolle Einsatzmöglichkeit eines ND-Filters ist beim Fotografieren belebter Orte, die man möglichst menschenleer abbilden möchte. Setzt man einen (möglichst starken) ND-Filter mit Belichtungszeiten von mehreren Sekunden (oder gar Minuten) ein, hat man die störenden Elemente praktisch ausradiert … Es liegt in der Natur der Sache, dass der ND-Filter nur mit Stativ eingesetzt werden kann, da er für teilweise extrem lange Belichtungszeiten sorgt. ND-Filter sind in verschiedenen Stärken, je nach gewünschtem Verlängerungsgrad der Belichtungszeit – erhältlich.

Beispielfoto ohne ND-Filter Beispielfoto mit ND-Filter

Links ohne, rechts mit ND-Filter.
Quelle: www.cokin.com | Fotograf: W. Castaneda

ogf.jpg mgf.jpg

Links ohne, rechts mit ND-Filter.
Fotograf: Stefan K.

Leider haben sich die Hersteller nicht auf ein einheitliches Kennzeichnungssystem geeinigt. Die meisten Hersteller (u.a. B&W) geben den Dichtewert als Zehnerexponent an. So bedeutet ND 1,0 eine Verlängerung der Belichtungszeit um den Faktor 10 (aus 1/100 Sekunde wird 1/10 Sekunde); ND 2,0 verlängert die Belichtungszeit bereits um den Faktor 100 und ND 3,0 um den Faktor 1.000. Letzterer kommt meist nur in Spezialgebieten zum Einsatz, z.B. Beobachtung und Dokumentation industrieller Prozesse bei extremer Helligkeit (Schmelzöfen, Glühfäden in Halogen- und anderen Lampen, Verbrennungsprozesse). Cokin weicht mit seinem weit verbreiteten Filtersystem von dieser üblichen Terminologie ab und bezeichnet den Wirkungsgrad ihrer ND-Filter mit Blendenverlusten, wobei “2x” einen Lichtverlust von einer Blende bezeichnet, “4x” von zwei Blenden und “8x” von drei Blenden. Man sieht bereits an diesen Angaben, dass die Cokin-Filter (die i.d.R. aus Kunststoff bestehen) nicht annähernd den Wirkungsgrad erreichen wie ihre Schraubfilter-Pendants.

Verlauffilter sind zur Hälfte eingefärbte Neutraldichtefilter mit einem weichen Übergang zwischen dem eingefärbten und dem klaren Bereich. Anwendung findet der Verlauffilter meist in der grauen Variante (Grauverlauffilter), da er den Vorteil hat, die vorhanden Motivfarben nicht zu verändern, sondern lediglich abzudunkeln. Wie der Polfilter gehört der Verlauffilter in die Fototasche eines jeden Natur- und Landschaftsfotografen. Er sorgt mit seiner partiellen Einfärbung für eine Angleichung des Motivkontrastes, was insbesondere bei der Landschaftsabbildung von Vorteil ist, bei der der Himmel (zumal bei sonnigen Tagen) eine andere Belichtung erhalten muss als der Vordergrund (der meist deutlich dunkler ist).

Wir alle kennen das: Wenn man bei Landschaftsaufnahmen mit großem Himmelsanteil den Himmel so belichtet, dass er stahlblau ist, wird der Vordergrund meist gnadenlos unterbelichtet. Den Kontrastumfang von oft 12-14 Blenden kann keine DSLR abbilden. Wenn man den Himmel aber (per Verlauffilter) abdunkelt und auf den Vordergrund belichtet, kann man in der Regel beide Teile des Fotos perfekt belichten. Man kann den Motivkontrast manchmal auch in der Nachbearbeitung eines Fotos per EBV “retten” (z.B. mit Capture NX und dem Werkzeug D-Lighting), allerdings sorgt eine Aufhellung von Bildteilen mit diesem Tool oft für ein unerwünschtes Farbrauschen, weshalb es sinnvoll ist, bereits bei der Aufnahme das bestmögliche zu erreichen.

Beispielfoto ohne Verlauffilter Beispielfoto mit Verlauffilter

Links ohne, rechts mit Grauverlauffilter.
Quelle: www.cokin.com | Fotograf: J.F. Fortchantre

Sehr häufig in der Fotografie eingesetzte Filter sind (waren) UV- und Skylightfilter. Der UV-Filter sperrt den unsichtbaren UV-Anteil des Himmelslichts, der Unschärfe einen Blaustich verursachen kann. Somit müsste er eigentlich UV-Sperrfilter heißen, doch unter Fotografen hat sich die Kurzbezeichnung UV-Filter etabliert. UV-Filter sind ideal für Aufnahmen im Gebirge, an der See und in Gebieten mit sehr reiner Luft. Die Bilder gewinnen an Brillanz, störende bläuliche Schleier werden vermieden. Weil das Glas farblos ist, verändert sich, von der Blaustichbeseitigung abgesehen, weder die Farbwiedergabe, noch ist eine Belichtungsverlängerung nötig.

Der Skylight-Filter sperrt ebenfalls UV-Strahlung, ist aber zusätzlich zart rötlichgelb getönt, um in der analogen Fotografie (vor allem beim Farbdiafilm) dem vom Himmelslicht verursachten hohen Blauanteil im Schatten entgegenzuwirken. Er erzeugt einen wärmeren Bildton und mildert den Dunst bei Fernsichten. Der Verlängerungsfaktor ist minimal (ca. 1,1).

Der Sinn dieser beiden Filterarten zur Sperrung von UV-Strahlen wird in Fotografenkreisen oft kontrovers diskutiert, da nahezu alle modernen Objektive mit einer – u.a. diesen Zweck erfüllenden – Vergütung ausgestattet sind. Eine zusätzliche Filterung erscheint daher tatsächlich nur im Hochgebirge (wo die UV-Strahlung erheblich höher ist) notwendig zu sein. Wenn man sich anschaut, warum gerade der UV-Filter der meistverkaufte Filter ist, kommt man sehr schnell dahinter, dass er in 99% der F�lle nicht wegen seiner UV-Filterfunktion, sondern als Schutz der Frontlinse erworben wird.

Generell muss in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, dass jeder Filter zu einer Verschlechterung der Abbildungsqualität führt! Insbesondere in Gegenlichtsituationen kann eine zusätzliche Glasfläche zu störenden Reflektionen und sogenannten “Geisterbildern” (Ghosting) führen; oft vermindern die Filter Brillanz- und Kontrastverhalten des Objektivs. Diese negativen Effekte kann man verhindern (aber nicht vermeiden!), indem man vergütete Filter einsetzt. Im übrigen halten die Frontlinsen mehr aus als man meint und müssen insofern nicht unbedingt mit Filtern geschützt werden – Ausnahmen sind Situationen, wo z.B. Sand und/oder (Salz-) Wasser die Optik bedrohen. Im “normalen” Fotografenleben, in dem z.B. nicht regelmäßig beim Motocross-Rennen fotografiert wird, ist die Gegenlichtblende sehr viel besser als Schutz geeignet.

Farbfilter: Gebräuchliche Korrekturfilter in der (analogen) Schwarzweißphotographie sind Gelb-, Orange-, und Rotfilter. Sie dämpfen den Blauanteil und machen damit insbesondere Aufnahmen mit Blau-/Weißanteil (Himmel) kontrastreicher. Rotfilter werden oft dazu verwendet, besonders kräftige Kontraste zu erzeugen. Violett, Blau und Grün werden in einem rot-gefilterten Bild sehr dunkel dargestellt, orange und rot hingegen werden stark aufgehellt – insbesondere bei Aufnahmen mit Personen und blauem Himmel lassen sich mit dieser Art Farbfilter eindrucksvolle Stimmungen erzeugen, da der Himmel vom Rotfilter fast vollständig “geschluckt” wird, während Hauttöne leuchtend hell gezeichnet werden. Durch gezielte Unterbelichtung lassen sich diese Effekte noch verstärken. Im Zeitalter der digitalen Fotografie haben die Farbfilter ein wenig von ihrer Bedeutung verloren, da ihre Wirkung hervorragend im Rahmen der EBV simuliert werden kann.

Die in der Farbfotografie eingesetzten Farbfilter zur Anpassung eines Kunstlichtfilms auf Tageslicht bzw. eines Tageslichtfilms auf Kunstlicht spielen in der Digitalfotografie kaum noch eine Rolle, da die Anpassung hier elektronisch über den Weissabgleich erfolgt. Ausnahmen bestehen noch im Bereich der Mischlichtfotografie, wo das Blitzlicht auf das Umgebungslicht angepasst werden kann (Filterfolien für Blitzgeräte).