Der goldene Schnitt in der Fotografie
Dieser Artikel soll die Idee des goldenen Schnittes als eine Moeglichkeit der Bilkomposition in der (digitalen) Fotografie darstellen. Nach einer kurzen Einleitung wird die Anwendung mit verschiedenen Bildern erlaeutert.
“Der Goldene Schnitt (lat. sectio aurea) ist das Verhältnis zweier Zahlen von ungefähr 1:1,618. In der Kunst und Architektur wird der goldene Schnitt oft als ideale Proportion verschiedener Längen zueinander angesehen. Er gilt als Inbegriff von Ästhetik und Harmonie. Darüber hinaus tritt das Verhältnis des Goldenen Schnitts auch in der Natur in Erscheinung und zeichnet sich durch eine Reihe interessanter mathematischer Eigenschaften aus. Weitere verwendete Bezeichnungen sind stetige Teilung und göttliche Teilung (lat. proportio divina).” (Quelle: Wikipedia)
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Die Zahl 1:1,618 kommt aus folgender Berechnung: Das Ganze (a+b) verhält sich zum grösseren Teil (a) wie der grössere Teil (a) zum kleineren Teil (b) oder (a+b)/a=a/b. Dieses Verhaeltnis wird mit den griechischen Buchstaben Φ (Phi) bezeichnet.
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Die bekannteste des goldenen Schnittes ist die Darstellung des ideal-Menschen von Leonardo da Vinci (”Proportionsschema der menschlichen Gestalt nach Vitruv” von Leonardo da Vinci (1485/90, Venedig, Galleria dell’ Accademia)).
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Typische Seitenverhaeltnisse rund um den Wert Φ:
- 4 : 3 – Traditionelles Fernsehformat. In der Regel auch bei Computermonitoren (z. B. 1024 × 768 Pixel). Dieses Format geht zurück auf Thomas Alva Edison, der 1889 das Format des klassischen Filmbildes (35-mm-Film) auf 24 × 18 mm festlegte
- √2 : 1 – Das Seitenverhältnis beim DIN-A4-Blatt und verwandten DIN-Maßen. Bei einer Halbierung durch einen Schnitt, der die längeren Seiten des Rechtecks halbiert, entstehen wiederum Rechtecke mit dem selben Seitenverhältnis.
- 3 : 2 – Seitenverhältnis beim Kleinbildfilm (36 mm × 24 mm).
- Φ : 1 – Seitenverhältnis im Goldenen Schnitt. Hier approximiert durch 144 × 89 Pixel mit einem theoretischen Fehler von nur 5·10-5. Die beiden benachbarten Rechtecke weisen ebenfalls Seitenverhältnisse von benachbarten Fibonacci-Zahlen auf und approximieren daher den Goldenen Schnitt vergleichsweise gut.
- 5 : 3 – Findet neben dem noch breiteren 1 : 1,85 als Kinoformat Verwendung.
- 16 : 9 – Breitbildfernsehen.
Der goldene Schnitt findet sich in vielen Beriechen:
- Architektur – Partheon Tempel, Cheops Pyramide
- Kunst – Skulpturen, Gemaelde
- Buchdruck – Seitenspiegel
- Musik – Quinte
- Geigenbau – Position der f-Loecher
- Biologie – Position des Nabels und des Knies
- Astronomie – Teiling der Saturnringe
- usw….
Doch nun zur digitalen Fotografie.
In der Fotografie hat der Goldene Schnitt seine Bedeutung in folgenden Punkten:
- Herstellung harmonischer Formatverhältnisse.
- Festlegung der Lage des “Mittelpunktes des Interesses”.
- Aufteilen der Komposition in einem guten Verhältnis.
- Festlegung der Lage des Horizonts.
(Nach Feininger: Kompositionskurs, Seite 83)
Harmonische Formatverhältnisse
Bemühungen um die Standardisierung von Fotoformaten gingen vom Goldenen Schnitt aus. Das noch heute gebräuchliche Format 6 x 9 cm sowie das KB-Format 24 x 36 mm entsprechen diesem Verhältnis annähernd. Auch die meisten Papierformate folgen dem Goldenen Schnitt wie oben schon erwaehnt.
Festlegung der Lage des “Mittelpunktes des Interesses”
Unmittelbar mit dem Punkt ist die Frage nach dessen Position verbunden. Der fotografische Punkt kriegt seine Bedeutung immer in Relation zum ganzen Bild. Dies bezieht sich nicht nur auf die Grösse des Punktes, sondern auch auf seine Position, auf seine Anordnung innerhalb der Bildfläche. Aus der Anordnung ergeben sich die Abstände zum Bildrand und zu anderen Elementen und zwangsläufig auch die Verhältnisse dieser Abstände.
Im Extremfall: Ein bildmittig platzierter Punkt auf quadratischer Bildfläche hat allseitig gleichen Abstand zum Rand, entsprechend ergibt sich ein spannungsloser Zustand.
Durch einfache Verschiebung des Punktes resp. durch Schaffung zusätzlicher abweichender Verhältnisse kann etwas Spannung ins Bild gebracht werden, indem dadurch eine ganze Reihe neuer Verhältnisse entstehen.
Werden die Seiten des Bildformates im Verhältnis des Goldenen Schnitts geteilt, so kommt man zu Punkten, bei welchen sich die gleichen Längenverhältnisse ergeben wie beim Bildformat (so dieses dem Goldenen Schnitt entspricht). Feininger nennt diese Punkte “Zentrum des Interesses”.
Laufen in einem dieser Punkte wichtige Bildinformationen zusammen (z.B. Linien, Diagonalen oder Bögen) oder befinden sich wichtige Bildinhalte dort (z.B. ein Kopf), so wird dadurch eine harmonische Wirkung erzielt
Aufteilen der Komposition
Analog zur Positionierung von Punkten richtet sich eine ähnliche Frage nach der Flächenverteilung innerhalb eines Bildes.
Bei nebenstehendem Beispiel gibt es eine Flächenteilung zwischen links und rechts durch die vertikale Linie, welche bei diesem Beispiel (ungefähr) in den goldenen Schnitt gelegt wurde.
Die Flächenverteilung ist jedoch nicht nur eine Frage des genauen Verhältnisses, viele zusätzliche Aspekte spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle und sollten abgewogen werden. die Trennung in diesem Beispiel erfolgt zwischen dunkel unruhig (links) und heller, klarer gegliedert (rechts). Beide Hälften haben ihre eigene, im Bild sichtbare Lichtquelle.
Lage des Horizonts
Horinzonteinteilungen werden ebenfalls gerne im Goldenen Schnitt gemacht. Verbreitet ist auch die Einteilung nach der Drittelregel, bei welcher der Horizont auf 1/3 oder 2/3 der Bildhöhe gelegt wird. Dieses Verhältnis ist geringfügig spannungsvoller als eine Einteilung im Goldenen Schnitt
Bei 2/3 Horizonthöhe ergibt sich die klassische Einteilung 1/3 Vordergrund, 1/3 Mittelbereich und 1/3 Hintergrund. Bei 1/3 Horizonthöhe werden 2 dieser Teilbereiche im Himmel zusammengefasst – entsprechend ist auch die Wirkung.
