Digitale IR-Fotografie
Die Infrarotfotografie beschäftigt sich mit der Herstellung von Bildern unter Ausnutzung von Lichtwellenlängen, die länger als jene des sichtbaren Lichtes (Infrarotstrahlung) sind. Die IR-Fotografie zielt dabei meist auf folgende Effekte ab:
- Wellenlängen von ca. 780 bis 1.400 Nanometer (sog. IR-A-Strahlung) werden in geringerem Ausmaß als das sichtbare Licht durch Dunst und Luftverunreinigungen gestreut. Die Erkennbarkeit von Objekten trotz derartiger Sichtbeeinträchtigungen ist daher im infraroten Bereich besser als in jenem des sichtbaren Lichtes.
- Die fotografierten Gegenstände weisen in diesen Bereichen andere Reflexionseigenschaften als das sichtbare Licht auf, damit können spezifische Materialeigenschaften erkannt werden (z.B. Erkundung geschädigter Wälder).
- Die Infrarotstrahlung ist für das menschliche Auge unsichtbar, versteckte Aufnahmen mit nicht wahrnehmbarer künstlicher Beleuchtung sind möglich (Überwachung, Sicherheitsdienste, Militär, Naturbeobachtungen).
Die verschiedenen Oberflächen der Natur reflektieren das infrarote Licht sehr unterschiedlich. Zum Beispiel erscheint Blattgrün im Infrarot strahlend weiß, da Chlorophyl im infraroten Bereich transparent ist und somit das Licht am in der Pflanze enthaltenen Wasser reflektiert werden kann (sog. Wood-Effekt).
Sehen kann der Mensch diese Unterschiede nicht. Um sie sichtbar zu machen, muss man mit einem “Infrarot-Filter” die Farben des sichtbaren Spektrums wegsperren. Setzt man es vor das Objektiv einer Kamera, fotografiert man im Infrarot-Bereich.
Die notwendige Hardware
Nicht jede Digitalkamera eignet sich zur IR-Fotografie. Prinzipiell sind alle Sensorchips zwar empfindlich für infrarote Wellenlängen, jedoch setzen die Hersteller Filter vor den Sensor, die die IR-Empfindlichkeit reduzieren, da durch die Überlagerung von Infrarot und sichtbarem Licht ein Verlust an Schärfe im Bereich des sichtbaren Lichtes möglich ist. Tipp: Ob die eigene Kamera für die IR-Fotografie geeignet ist, kann man feststellen, indem man ein Foto von der IR-Diode einer Fernbedienung macht, während man einen Knopf der Fernbedienung betätigt (längere Belichtungszeit wählen). Das Foto sollte dann die leuchtende IR-Diode zeigen. Wenn es dunkel bleibt, ist die Kamera für die Infrarot-Fotografie ungeeignet. Übrigens: Die D70 genießt den Ruf, besonders tauglich für die IR-Fotografie zu sein!
Im Prinzip ist jedes Objektiv für die IR-Fotografie geeignet, solange es ein Filtergewinde zur Befestigung des IR-Filters hat. Allerdings weisen die Fotos bei einigen Objektiven einen mehr oder minder deutlichen Hotspot auf (zentraler Bereich, der heller ist als der Rest des Bildes) – hier hilft nur ausprobieren! Wichtig ist, dass man bei den meisten Objektiven die Entfernung abweichend von der Skala einstellen muss! Manche Objektive habe hierzu eine Markierung für die Infrarot-Entfernungseinstellung (IR-Index – meist ein roter Punkt) – bei allen anderen gilt wieder: ausprobieren! Aus den genannten Gründen funktioniert im übrigen auch der Autofokus nicht oder nur unzuverlässig, weshalb empfohlen wird, manuell zu fokussieren. Generell gilt, dass IR-Fotos eine etwas verringerte Schärfe aufweisen.
Ohne IR-Filter geht nichts! Er sperrt das sichtbare Licht und ist durchlässig für die infraroten Wellenlängen. Möchte man eine Infrarotaufnahme mit einem Restanteil an sichtbarem Licht, so empfiehlt sich ein Filter mit niedriger Wellenlänge. Gleiches gilt für Kameras mit geringer Infrarot-Empfindlichkeit. Auch hier sollte man es mit einem Filter niedrigerer Wellenlänge versuchen. Für Farb-Infrarotaufnahmen wird man sicher in jedem Fall einen schwächeren Filter mit niedrigerer Wellenlänge verwenden, um Farbanteile zu erhalten. Je größer die Wellenlänge des Filters; umso “dunkler” ist dieser und umso weniger sichtbares Licht wird durchgelassen.
Empfehlenswerte Filter sind z.B. Hoya R72 (720nm) – durchlässig für einen Rest sichtbaren Lichts – oder Heliopan RG 830 (830nm), der sehr dunkel ist und nur mit gut IR-geeigneten Kameras brauchbare Ergebnisse liefert.
Aufnahmetechnik
Die Farbtemperatur wird bei der IR-Fotografie vor allem durch den Infrarotfilter bestimmt. Folglich muss der Weißabgleich mit aufgesetztem Filter durchgeführt werden. Einige Kameramodelle liefern schon bei automatischem Weißabgleich brauchbare Ergebnisse. Bessere Ergebnisse lassen sich aber in jedem Fall mit einem manuellen Weißabgleich erreichen. Übrigens: Beim Weißabgleich mit aufgesetztem Filter unbedingt mindestens eine Sekunde belichten!
Aufgrund des dunklen IR-Filters verlängern sich die Belichtungszeiten in Abhängigkeit von der IR-Empfindlichkeit der Kamera z.T. erheblich (oft mehrere Sekunden). Dem kann man zwar durch Erhöhung des ISO-Werts begegnen, allerdings wird man (wegen des dadurch in Kauf zu nehmenden Rauschens) auf Dauer wohl nicht glücklich, weshalb jeder IR-Fotograf ein Stativ im Gepäck haben sollte.
Die kamera-eigene Belichtungsmessung wird durch den verwendeten Filter oft „verwirrt“, so dass man etwaige Programmautomatiken vergessen und sich im manuellen Modus der passenden Belichtung durch „trial and error“ annähern sollte (was ja dank des digitalen Zeitalters keine Materialverschwendung mehr nach sich zieht).
In diesem Zusammenhang ein wichtiger Hinweis aus der Praxis: IR-Aufnahmen sind extrem anfällig gegen Überbelichtungen! Da zudem die kameraeigene Spitzlichtanzeige nicht richtig funktioniert, sollte man unbedingt eine Testreihe machen und das Histogramm betrachten, um sicherzustellen, dass im rechten Bereich (Helligkeitswerte) keinerlei Bildpunkte mehr an der Grenze zu finden sind. Also lieber etwas dunkler belichten und das Bild im Anschluss noch aufhellen.
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